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Man muss seinem Herzen folgen und sein Bestes geben...ich bin meinem Herzen gefolgt, und ich habe keinen Zweifel daran,
dass der Weg, den ich gegangen bin, der Weg war, den ich gehen wollte...
Dan Fogelberg
Der große Poet der Westcoast-History ist am Sonntag, dem 16. Dezember 2007, im Alter von nur 56 Jahren seiner schweren Krebserkrankung erlegen.
Im Jahre 2004 wurde bei Dan Fogelberg Prostatakrebs im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Als Reaktion darauf teilte er seinen Fans damals auf seiner Webseite mit, sie sollen sich keine Sorgen machen, denn die Berichte über seine Erkrankung wären übertrieben.
Man darf annehmen, daß der großartige Dan sich damals der Ernsthaftigkeit seiner Lage bewusst war, und daß er diese Mitteilung veröffentlichte, um seine treues Publikum nicht über Gebühr zu beunruhigen.
Lange hat er gegen diese verfluchte Krankheit angekämpft, und bis zuletzt hat er sich und seinen Fans immer wieder Mut und Hoffnung gemacht, dieser wunderbare Mann, der sich nicht nur durch sein musisches Talent und Können auszeichnete, sondern auch durch seine unglaubliche Naturverbundenheit und Tierliebe.
Berühmt wurde Daniel Grayling Fogelberg vor allem durch seine Alben Souvenirs (1974), Phoenix(1979) sowie dem Doppelalbum The Innocent Age (1981).
Seine kommerziell größten Hits in den USA und weltweit hatte er mit den Singleauskopplungen There´s A Place In The World For A Gambler, Part Of The Plan, Longer, Leader Of The Band und Same Old Lang Syne.
Bemerkenswert war vor allem sein großartiges handwerkliches Können.
Er beherrschte perfekt eine Vielzahl von Instrumenten und schaffte es, Teile seiner Alben gänzlich ohne Begleitband einzuspielen.
Dazu kam noch diese ureigene, introvertierte Art des Songschreibens und eine wie angeboren anmutende Virtuosität.
Merkmale, die ihn zum Musikpoeten der Westcoast-Music-History schlechthin machten.
Sein erstes prägendes Erlebnis hatte Dan Fogelberg bereits im zarten Alter von 4 Jahren, als er sich vor die Big Band seines Vaters stellte und Dirigent spielte, wobei natürlich sein Vater Lawrence Fogelberg hinter ihm stand und dieser in Wirklichkeit sein Orchester leitete.
Seit dieser Zeit stand für Dan der Entschluß fest, seinem Vater, der sein größtes Vorbild war, nachzufolgen.
Seinem Vater zu Ehren veröffentlichte Dan Fogelberg dann im Jahre 1981 den weltberühmten Folksong Leader Of The Band.
Sein großes Talent wurde ihm aber nicht alleine nur von seinem Vater vererbt, denn seine Mutter Margaret Irvine, gebürtig in Schottland, bekam in ihrer Jugend eine klassische Gesangsausbildung und war früher in der Tat eine erstklassige Sängerin.
Im Alter von 13 Jahren begann Dan Fogelberg, der am 13. August 1951 in Peoria / Illinois als jüngster von drei Brüdern das Licht dieser Welt erblickte, seine ersten Songs zu schreiben. Dabei wurde er am stärksten inspiriert von den Beatles, den Byrds, den Buffalo Springfield, Joni Mitchell sowie den Folk-Rock-Koryphäen Gordon Lightfoot und Paul Simon.
Dan´s eigentliche Karriere begann im Jahre 1972 mit dem Album Home Free,
mit dem er dem Westcoast/CountryRock quasi eine neue, ganz spezielle Note hinzufügte, eine Note, die auf seinen späteren Alben wie Souvenirs, Captured Angel und Nether Lands noch deutlicher zutage trat und hineinführte in eine Späre voller Zauber und Magie.
Dan Fogelberg hatte die einmalige Gabe, Songs auf eine Weise zu schreiben und zu arrangieren, dass sie sich zutiefst dem Unterbewusstsein einprägten, wo sie Bilder und Gefühle entstehen ließen über das, worüber er so beseelt sang. Naturbeschreibungen, Stories aus dem amerikanischen Westen und über den Aufbruch der Pilgerväter in die neue Welt, Liebesgeschichten und Liebeserklärungen bis hin zur Vertonung der märchenhaften, von The Wizard of Oz inspirierten Erzählung Scarecrows Dream, zu finden auf seinem bemerkenswerten 77er Album Nether Lands, das so völlig anders klang und durchsetzt war von Elementen der klassischen Musik und des Chanson.
Ein weiteres, sehr typisches Merkmal von Dan´s Alben waren auch Instrumentalstücke, mit denen er einzelne Songs oder ein ganzes Album einleitete, größtenteils nur mit einem oder wenigen Streichinstrumenten eingespielt und von einer solch dramatischen Schönheit, daß wohl selbst ein Ludwig van Beethoven davon in tiefster Seele berührt gewesen wäre.
Um zu verdeutlichen, welch bleibenden Eindruck Dan Fogelberg hinterließ, wenn man ihn zum erstenmal hörte, ist eine kleine Anekdote von Henry Diltz, dem berühmten kalifornischen Rockfotografen (Eagles & Linda Ronstadt), an dieser Stelle durchaus angebracht.
Dan hatte sich damals, in den frühen 70er Jahren, vorübergehend in der Gegend des Laurel Canyon in Kalifornien niedergelassen und befand sich somit in direkter Nachbarschaft zum Eagles-Ronstadt Clan, wo es zwangsläufig dazu kommen musste, wichtigen Leuten aus diesem Umfeld über den Weg zu laufen. Henry Diltz wurde auf Dan Fogelberg aufmerksam, als dieser wieder einmal völlig selbstvergessen bis in die Morgendämmerung Songs einübte.
Henry Diltz:" Ich kann mich noch gut an diese unglaublich schöne Musik erinnern, die durch die Bäume an mein Ohr drang und ich fragte meine Frau, wer ist dieser Mann?"
Henry Diltz wurde schnell bekannt mit diesem Mann und beide wurden gute Freunde, was sich als förderlich für viele Alben von Dan Fogelberg erwies, denn der egozentrische Rockfotograf zeichnete, neben seinem Kollegen John Kosh, für viele der meisterhaften Albencover, die Dan´s Alben schon äusserlich so dermaßen aus der Masse heraushoben, verantwortlich.
Als Vorlage dienten Henry Diltz dabei immer wieder die selbstgemalten Bilder und Portraits, die der multitalentierte Dan in seiner Freizeit auf die Leinwand brachte.
Der Grundstein für Dan´s künstlerischen Werdegang wurde allerdings gelegt, als er damals einen Mann kennenlernte, der zu den einflussreichsten und mächtigsten Musikmanagern der amerikanischen Musikgeschichte aufsteigen sollte. Die Rede ist von Irving Azoff, dem heutigen Manager der Eagles.
Alle, die Dan Fogelberg damals hörten, war klar, daß es nur eine Frage der Zeit sei, bis ihm der große Durchbruch gelingen würde. Dieser Durchbruch kam, als Dan Fogelberg es wohl am allerwenigsten erwartete. Nach anstrengenden Musikproben bis spät in die Nacht hatte er sich schlafengelegt, als eine Freundin aus Highschoolzeiten noch bei ihm vorbeischaute, und ihn aufweckte, um ihm mitzuteilen, daß ein ganz wichtiger Musikmanager ihn so schnell wie möglich sehen und hören wolle. Noch schlaftrunken ließ Dan sich von ihr zu einer Studentenparty in einer kleinen Bar in Los Angeles mitschleifen, wo Irving Azoff schon auf ihn wartete. Azoff stand damals ebenfalls am Beginn seiner Managerkarriere und hatte mit REO Speedwagon, die er bei Epic Records unterbrachte, seinen ersten großen Deal gelandet und er wollte das Eisen schmieden, solange es noch heiß ist, und so schaute er sich nach weiteren hoffnungsvollen Künstlern um, mit denen er expandieren konnte.
Ungeachtet des andauernden Partylärms, der auch während Dans Darbietung anhielt, war der Musikmanager zutiefst beeindruckt von der Schönheit seiner Songs.
Azoff erkannte sofort, daß die Zeit reif war für Dan Fogelberg, und in ihm sah er zugleich auch seine eigene Zukunft.
Wenig später eröffnete Irving Azoff in Hollywood seine erste Geschäftsstelle, direkt gegenüber von David Geffens Asylum Records (Jackson Browne, Eagles, Linda Ronstadt). Was für ein Zufall.
Dieser Umstand führte jedoch nicht dazu, dass Dan´s Alben künfig bei Asylum erscheinen würden. Geffen, der im Begriff war, sein Label zu einem CountryRock-Imperium auszubauen, war im Falle Dan Fogelberg zu spät dran, denn der junge Singer/Songwriter hatte längst schon einen Schallplattenvertrag mit Clive Davis, dem damaligen Boß von Columbia Records in der Tasche, dank Irving Azoff, der diesen Deal eingefädelt hatte. Azoff zahlte Dan damals auch einen ersten Vorschuß von sage und schreibe 200 Dollar, womit sich der junge Singer/Songwriter erstmal einen gebrauchten Pickup-Truck besorgte. Was für ein Luxus, wenn man bedenkt daß sich Linda Ronstadt als 17jährige mit sage und schreibe 30 Dollar bis nach Los Angeles im Bus durchschlagen musste.
Ausgerechnet Nashville markierte im Jahre 1972 den eigentichen Beginn der professionellen Musikerkarriere
des damals 21jährigen Dan Fogelberg. "Ausgerechnet Nashville" deswegen, weil diese Stadt eine Musikszene hervorgebracht hat, die schon immer in einem krassen Gegensatz stand zu der freieren, weltoffeneren und genreübergreifenderen Musikszene, die sich in den 70er Jahren in Los Angeles und an der gesamten amerikanischen Westküste etabliert hatte.
Irv Azoff, der damals auf der Suche nach einem fähigen Produzenten für Dan´s erstes Album war, wurde auf den in Nashville ansässigen Norbert Putnam aufmerksam. Putnam hatte sich mit seinem Engagement für die lokale Formation Area Code 615 einen Namen gemacht und überdies war er auch ein hervorragender Sessionmusiker, der im Studio auch noch als Gitarrist und Backing Vocalist zu gebrauchen war.
Dan Fogelberg und Irving Azoff begaben sich also mit dem Flieger nach Nashville, um sich dort mit dem Produzenten zu treffen und alle vertraglichen Angelegenheiten für Dans erstes Album unter Dach und Fach zu bringen.
Damit sich Dan leichter zurechfinden und auf die Arbeit im Studio konzentrieren konnte, kümmerte sich Putnam so ziemlich um alles und hielt auf diese Weise Dan den Rücken frei, er besorgte ihm eine Wohnung in Nashville, er stellte das Studio zur Verfügung und engagierte einige von Nashvilles besten Studiomusikern.
Die Aufnahmen für Home Free standen für Dan Fogelberg unter einem durchweg guten Stern. Er fühlte sich wohl in Nashville und er konnte ohne Druck und in Ruhe an seinen Songs arbeiten. Die damaligen Produktionsbedingungen in Nashville unterschieden sich doch sehr von denen in New York oder Los Angeles. Begeistert war Dan Fogelberg vor allem von den Studiomusikern, mit denen er sein Debütalbum einspielte. Dan sagte wörtlich:
Ich war gerade 21 Jahre alt und spielte in einer Band mit diesen unglaublich guten und besessenen Musikern.
Diese Jungs waren eindeutig besser als ich, aber sie zogen mich mit der Zeit auf Ihre Ebene, und ich lernte, daß es nicht darum ging, was ich spiele, sondern was ich weglasse, und das hat im Kern meine Auffassung des Gitarrenspiels geprägt, es ist spärlich aber melodisch."
Sein Gitarrenspiel war allerdings wirklich das einzige, was man als spärlich umschreiben konnte, denn seine Alben waren in puncto Intrumentalisierung und Melodie wahrhaft ausschweifend, im besten Sinne wohlgemerkt.
Mit der Veröffentlichung von Home Free im Jahre 1972 manifestierte Dan Fogelberg auf Anhieb seinen Stil und seinen Wiedererkennungswert. Der Opener "To The Morning" , eine ergreifende Ode an die Natur, heute ein Genreklassiker,
wurde von der Fachwelt als absolut zeitlos und als einer inspirierendsten Songs aller Zeiten bezeichnet.
Da die Plattenfirma befand, dass Home Free zu sehr von Nashvilles Countrysound beeinflusst war, liess Azoff seine Beziehungen spielen und stellte den Kontakt zu Joe Walsh von der legendären James Gang her. Dan war überzeugt von der Richtigkeit dieser Auswahl, Joe Walsh war für ihn ein Begriff, und Dan war angetan von Walsh´s Projekt Barnstorm.
So dauerte es nicht lange und Dan traf sich mit Walsh. Dan hatte eine handvoll Songs dabei, die er in Los Angeles geschrieben hatte, und nicht zu vergessen den Song Part Of The Plan, den er noch in Nashville verfassen konnte und der deswegen noch einen stärkeren Country-Einschlag hatte. Joe Walsh machte Dan den Vorschlag, einfach mal eine Liste von Musikern anzufertigen, mit denen er am allerliebsten zusammenspielen würde. Dan fiel vor allem ein Name ein, nämlich der des legendären Schlagzeugers Russ Kunkel, dessen feine Arbeit er beim Hören von James Taylors Alben sehr zu schätzen gelernt hatte. Als Walsh sich dann die Freiheit nahm, so mal auf die Schnelle Dans Liste zu ergänzen mit solchen Namen wie Joe Lala (Percussion), Kenny Pasarelli (Bass) sowie Graham Nash und den Eagles Don Henley, Glenn Frey und Randy Meisner,
erwuchs in Dan die Gewissheit und das gute Gefühl, angekommen zu sein, womit wir dann auch schon im Jahre 1974 angekommen wären.
In diesem Jahr begann für Dan Fogelberg und seinen Manager Irv Azoff eine langanhaltende Phase künstlerischen und wirtschaftlichen Wachstums. Azoff ging mit dem Label Full Moon Records, einem Tochterunternehmen von Epic Records, an den Start, und Dan´s Alben wurden von nun an vom mehr Mainstreamorientierten Columbia Records unter der Labelgemeinschaft Full Moon / Epic vertrieben.
Zur Produktion seines zweiten Albums Souvenirs zeigte sich Dan Fogelberg in einer künstlerisch brillianten
Verfassung, er hatte seit Home Free weiter an sich gearbeitet, sich deutlich weiterentwickelt und im Studio unter Beweis gestellt, dass er von nun an sowohl als Singer/Songwriter wie auch als Multi-Instrumentalist in der gleichen Liga spielt wie seine Kollegen von den Eagles, Don Henley, Glenn Frey und Randy Meisner, die sich zusammen mit Joe Walsh, Russ Kunkel, Graham Nash, Gerry Beckley von America, Kenny Pasarelli und Joe Lala im Studio einfanden, um unter der Produzentenregie von Joe Walsh und Soundmixer Bill Szymczyk ein Meisterwerk auf den Weg zu bringen.
Dan nahm sich in Abwesenheit von Produzent Joe Walsh, der zwischenzeitlich auch noch eigene Touren zu bewältigen hatte, die Freiheit, im Studio ganz alleine an einigen Songs zu feilen, so ergänzte er beispielsweise den Song Part of the Plan noch mit einem bemerkenswerten Gitarrensolo. Als Joe Walsh dann wieder zurück im Studio war und sich diese überarbeitete Fassung anhörte, war er hellauf begeistert. In seiner Begeisterung konnte Walsh Graham Nash sehr leicht davon überzeugen, noch ein paar Harmonien draufzulegen, um den Song perfekt abzurunden.
Diese hingebungsvolle Arbeit im Studio, diese Liebe zu Nuancen und Details in Kombination mit einer wirklich edlen Besetzung sollte sich mehr als bezahlt machen.
Die Veröffentlichung von Souvenirs machte den Singer/Songwriter, den knapp 2 Jahre zuvor kaum jemand kannte,
endgültig zu einem Star, dessen Name inzwischen fast schon wie selbstverständlich die höheren Ränge der amerikanischen Billboard-Albumcharts zierte.
Ausserdem lieferte er mit der Singleauskopplung Part Of The Plan, die es bis in die Top 40 der Hot 100 Singlecharts schaffte, seinen ersten offiziellen Hit ab. Immer weiter ging Dan Fogelbergs Stern am kalifornischen Rockhimmel auf, und der
bislang als Opening Act gebuchte Singer/Songwriter wurde nun selbst zum Headliner. Dies hatte allerdings auch zur Folge, daß Dan seinen bisherigen, eher zurückgezogenen Lebenswandel zu einem großen Teil hinter sich lassen musste, auf gut Deutsch, der Stress begann, der Tourstress. Mit der jungen kalifornischen Formation Fools Gold, mit der Dan schon im Produktionsjahr von Souvenirs auftrat, tourte er nach Veröffentlichung des Albums monatelang nonstop durch die Staaten. Der Erfolg und die ungeheure Anerkennung, die Dan und seine Band erfuhren, war für ihn wie Doping, er gönnte sich kaum Ruhe und zwischen den Konzerten packte ihn eine Kombination aus Arbeitswut, Inspiration und Kreativität, und er schrieb wie verrückt an neuen Songs. Was Dan in diesen Tagen leistete, war überaus beeindruckend.
Und ganz besonders beeindruckt von Dan Fogelberg war seit den Aufnahmen zu Souvenirs und einigen gemeinsamen Konzerten auch der Boß der Eagles, Don Henley, der mit dem Gedanken spielte, Dan zu überreden, bei seinen Eagles einzusteigen. Nach einem längeren Gespräch, daß die beiden Musiker führten, traf Dan Fogelberg jedoch den Entschluss, nicht zu den Eagles zu wechseln. Die Wege, die er gehen wollte, unterschieden sich zu sehr von dem, was Don Henley mit den Eagles vorschwebte. Dan Fogelberg hat die Offerte von Don Henley viele Jahre später in einem Interview zwar kategorisch dementiert, aber dieses Dementi war wohl eher auf Dans noblen Charakter zurückzuführen. Er war kein Mensch, der irgendwelche Dinge herausposaunte, um damit anzugeben, er hätte nie das Vertrauen seiner Mitmenschen missbraucht und er hätte nie etwas getan, was dazu geführt hätte, daß seine besten Freunde ihr Gesicht verlieren, kein Geringerer als Jackson Browne sagte über Dan: "Er war wunderbar, ein Engel", eine Äusserung, mit der Jackson Browne nicht übertrieben hatte, ganz im Gegenteil, damit hatte er den Wesenskern von Dan Fogelberg völlig zutreffend beschrieben.
Einer der zahlreichen Belege dafür ist die Geschichte, als es Dans Vater gesundheitlich sehr schlecht ging und dieser ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Dan liess damals alles stehen und liegen und fuhr zurück nach Peoria, wo er
monatelang jeden Tag im Krankenhaus verbrachte, um seinem Vater beizustehen bis zu dessen Genesung.
In den Nächten zog er sich in die nahen Golden Voice Studios in South Pekin zurück, wo er weiter an seinen Songs bastelte und ganz alleine Demoversionen einspielte.
Dies ereignete sich zu der Zeit im Jahre 1975, als Dan an seinem dritten Studioalbum, Captured Angel, arbeitete.
Mit diesem Album, daß er übrigens seinem Vater widmete, überraschte der Singer /Songwriter selbst diejenigen, die immer um ihn herum waren und die seine künstlerische Entwicklung der letzten Jahre aus nächster Nähe miterlebt hatten.
Als Irving Azoff und Joe Walsh und noch einige andere Größen aus Dans Umfeld diese Demoversionen hörten, waren sie nur noch sprachlos, denn diese Demosongs, die Dan lediglich als Blaupausen für die eigentlichen Aufnahmen in den legendären Caribou Ranch Studios angedacht hatte, waren einfach perfekt, so als wären sie von einer ganzen Band als finale Master-Tapes für die Plattenpressung fertiggestellt worden. Die Kritiker unter den Rolling Stone-Journalisten, die Dan Fogelberg (und auch seine Eagles-Kollegen) damals so gerne runtermachten, nur weil er ihnen zu sanft war, sollten sich diese Anekdote einmal zu Gemüte führen.
Wie in der Einleitung bereits bemerkt, beherrschte Dan perfekt eine Vielzahl von Instrumenten und schaffte es, Teile seiner Alben gänzlich ohne Begleitband einzuspielen. Captured Angel war so ein Album, und Dan Fogelberg war ein Genie.
Es mag eine subjektive Feststellung sein, wenn man sagt, mit Captured Angel hätte Dan Fogelberg die pure Schönheit von Souvenirs fast noch übertroffen, aber wer mit dieser Musik aufgewachsen ist und sie zutiefst verinnerlicht hat, wer die großartigen Alben von Dan Fogelberg kennt, wird an dieser Stelle wohl kaum widersprechen.
Um auf Captured Angel weiter einzugehen, ist es von nicht unwesentlicher Bedeutung, an dieser Stelle einen vorangegangenen Textauszug aus dieser Biographie zu zitieren.
Zitat:
Ein weiteres, sehr typisches Merkmal von Dan´s Alben waren auch Instrumentalstücke, mit denen er einzelne Songs oder ein ganzes Album einleitete, größtenteils nur mit einem oder wenigen Streichinstrumenten eingespielt und von einer solch dramatischen Schönheit, daß wohl selbst ein Ludwig van Beethoven davon in tiefster Seele berührt gewesen wäre.
Bei dem Opener Aspen handelt es sich um ein solch ergreifendes Instrumentalstück.
Dieses Streicherarrangement entfaltet seine wahrhaft magische Wirkung dadurch, dass es Bilder und Gefühle erzeugt,
als würde man auf den Schwingen eines Adlers über die atemberaubenden Naturlandschaften Nordamerikas getragen werden.
Mit den lyrischen Folksongs Comes and Goes sowie Old Tenessee erreichte Fogelberg zudem das Niveau von James Taylor, und mit The Last Nail, einer epischen Ballade von fast 6 Minuten Länge, kommt Dan Fogelberg als Solist unzweifelhaft und fast schon mit Leichtigkeit an die Klasse solcher Eagles-Stücke wie The Last Resort oder Try And Love Again heran.
Hervorzuheben ist auch die ungeheure handwerkliche Arbeit, die Dan hier geleistet hatte und die auch auf dem Albumcover mit dem Vermerk gewürdigt wurde: "Dan Fogelberg played all guitars, keyboards, bass, percussion, arp (Synthesizer)..."
Dans Aufstieg und Stellung innerhalb der Westcoast-Elite trat bei Captured Angel deutlich zutage. Obwohl er soviele Teile des Albums fast völlig alleine fertigstellte, waren bei der Produktion des Albums noch solche Hochkaräter wie Teufelsgeiger David Lindley, Singer/Songwriter-Legende John David Souther und die Eagles sozusagen als Helferlein mit von der Partie, während Schlagzeuger Russ Kunkel mit Dan Fogelberg seinen inzwischen dritten Arbeitgeber neben James Taylor und Linda Ronstadt gefunden hatte.
Captured Angel geriet, wie auch das Vorgängeralbum Souvenirs, zu einem großen Erfolg und festigte den künstlerischen und wirtschaftlichen Status, den sich Dan unermüdlich erarbeitet und erspielt hatte.
Noch während Dan Fogelberg mit der Band Fools Gold in Colorado auf Tour war, um Captured Angel zu promoten, konnte er er sich, begünstigt durch einen glücklichen Zufall, eine thematische Grundlage für das darauffolgende Album schaffen. Dan kam damals zu Ohren, dass einer seiner musikalischen Idole, Chris Hillmann von den Byrds und den Flying Burrito Brothers, sein Haus verkaufen wollte. Dan nahm den Kontakt zu Hillmann auf und fuhr dann in die Rocky Mountains, um sich das Haus anzusehen, dass eine atemberaubende Aussicht zu bieten hatte auf über 3000 Metern Höhe.
Dan verliebte sich sofort in diesen Ort und kaufte das Haus ohne zu zögern, danach flog er sofort nach Nashville zu Norbert Putnam und packte alles zusammen, was er an Equipment noch dortgelassen hatte, um es unverzüglich nach Colorado zu bringen. Dan verbrachte dort oben seinen wohl unvergesslichsten Winter. Als erstes stellte er sein Klavier so auf, dass er sich beim Spielen immer von diesem phantastischen Panorama inspirieren lassen konnte. Dan liess sich völlig gefangennehmen von der majestätischen Winter-Bergwelt der Rocky Mountains, eine Welt, deren Stille und Erhabenheit ihn zu einem ganz besonderen Album befähigte. Die Rede ist von Dans 77er Album Nether Lands, einem Album,
dass eine Atmosphäre verbreitet. die der majestätischen Erhabenheit dieser Umgebung vollkommen entspricht.
Dan Fogelberg hat mit diesem Album alle Eindrücke, die er sammelte und alle Gefühle, die dabei in ihm entstanden sind, sozusagen transformiert, umgewandelt in unvergleichliche Kompositionen, so wie einst Wolfgang Amadeus Mozart, Dans absolutem Lieblingskomponisten. Mit Nether Lands schaffte es Dan zugleich, alle stilistischen Schubladen zu sprengen. Bevor man Nether Lands auflegt, sollte man sich freimachen von allen Erwartungen bezüglich amerikanischer Singer/Songwriter aus dem Genre CountryRock. Nether Lands hat im Grunde nur sehr wenig zu tun mit klassischem Folk, Westcoast-Sound oder CountryRock.
Eingangs dieser Biographie steht zu lesen, dass Dan Fogelberg dem Genre eine neue, ganz spezielle Note hinzufügte, eine Note, die hineinführte in eine Späre voller Zauber und Magie. Mit Nether Lands hatte er diese Note zur vollen Entfaltung gebracht. Da ist einerseits die Erzählung Scarecrows Dream, die überaus märchenhafte Züge trägt und von Dan in einer Weise arrangiert wurde, wie man es vorher nie von ihm gekannt und gehört hatte, wo einem andererseits aber auch klar wird, so etwas kann nur ein Dan Fogelberg vertonen. Stilistisch völlig anders kommt da der leichte und wohltemperierte Song "Give Me Some Time" daher, den Dan mit seinem guten Freund Tim Weisberg, der bei diesem Song als Flötist in Erscheinung trat, aufgenommen hat.
Ein absoluter Geniestreich des Albums ist der Song "Once Upon A Time", eingespielt mit Gaststar Don Henley.
Damit hat Dan Fogelberg den Westcoast-CountryRock auf ein neues Level gehoben, ein wirklich phantastischer Song, was für ein Arrangement, so herb, so klar und so völlig anders und dennoch CountryRock, erstaunlich.
Der Höhepunt von Nether Lands ist jedoch der Album-Titelsong, ein fast 7 minütiges Epos mit hörbarem Bezug zur klassischen Musik und unter der orchestralen Leitung von Dominic Frontier, der seine herausragenden Fähigkeiten im gleichen Produktionsjahr des elften Albums von Chicago demonstrierte, wo er für das Prelude zu Little One von Terry Kath verantwortlich zeichnete. Übrigens fanden die Masteraufnahmen von Nether Lands in den gleichen Studios statt, in denen auch die Supergruppe Chicago ihre großen Alben einspielte, nämlich in den berühmten Studios der Caribou Ranch in Nederland/Colorado.
In diesen Tagen wurde Dan Fogelberg für Plattenfirma und Management endgültig zu einem Phänomen, denn mit keiner der Alben, die er bisher veröffentlichte, und das waren hervorragende Alben, hatte er so großen Erfolg gehabt wie mit Nether Lands.
Da zieht sich dieser hochbegabte Singer/Songwriter in die Rocky Mountains zurück, komponiert hochqualitive Songs voller Tiefgang die durchsetzt sind von Elementen der klassischen Musik, der Folkmusic und des Chanson, also Songs, von denen man wirklich nicht annehmen sollte, dass sie auf dem kommerziellen Markt eine Chance hätten, und dann führen genau diese Songs zu Dans bis zu diesem Zeitpunkt größten Erfolg. Es war einfach unglaublich, Nether Lands toppte den Erfolg und die Verkaufszahlen der Vorgängeralben. Ein wahrhaft verdienter Erfolg für Dans persönlich größte künstlerische Leistung überhaupt, eine Leistung, die ihn u.a. 1979 hineinführte in die ehrwürdige Carnegie Hall in New York, wo er unter den Augen seiner Eltern ein großartiges Konzert gab.
Vor allem seinen Vater, Lawrence Fogelberg, den "Leader Of The Band" , erfüllte dieser Moment mit größtem Stolz, auch weil er sich daran erinnerte, wie er Jahrzehnte vorher zum erstenmal in diesen heiligen Hallen zu Gast war, um einem Konzert des New Yorker Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Arturo Toscanini beizuwohnen..
Ein Jahr nach Nether Lands widmete sich Dan Fogelberg wiederum einem neuen musikalischen Kapitel. Er tat sich zusammen mit seinem guten Freund, dem Jazz-Flötisten Tim Weisberg, um den langgehegten Wunschtraum eines Duett-Albums über alle musikalischen Grenzen hinweg zu verwirklichen.
Das Ergebnis konnte sich sehen und hören lassen und schon das Albumcover machte klar, warum sich die beiden als "Twin Sons Of Different Mothers", also Zwillingssöhne von verschiedenen Müttern bezeichneten. Beide in ihrer Vollbartphase mit den gleich langen Haaren, den fast gleichen Klamotten, abgelichtet Arm in Arm in harmonischster Zweisamkeit.
Dieses Album in die Hand zu nehmen und sich das Cover anzusehen, machte einen schon neugierig und erweckte fast schon die Erwartungshaltung, dass sich dieses Album irgendwo in einem musikalischen Spektrum von Schobert & Black über Reinhard Mey bis Herrman Van Veen bewegen müsste. Diese Erwartungshaltung war jedoch weder falsch noch richtig, sie war einfach nur ein wenig zu europäisch gedacht. Dennoch vermittelten Dan Fogelberg und Tim Weisberg mit "Twin Sons Of Different Mothers" dieses ganz spezielle Singer/Songwriter-Feeling dieser späten 70er Jahre, das zu einem Teil auch den großen europäischen Liedermachern entsprach.
Eine ganz bestimmte Erwartungshaltung teilten sich dann auch Dan Fogelberg, Tim Weisberg, sowie Management und Plattenfirma, nämlich die, dass sich dieses Album garantiert nur in kleinster Stückzahl verkaufen würde.
Mit dieser Erwartungshaltung lagen sie aber alle absolut falsch, denn überraschenderweise geriet dieser wirklich höchst unkommerzielle Longplayer zu einem Topseller, der sich fast so gu verkaufte wie Nether Lands, und mit der Singleauskopplung "The Power Of Gold" , einem Song, der in letzter Minute als Auffüller eingespielt wurde, generierte das Album sogar einen großen Hit.
Einer von Dan´s speziellen Eigenarten war es, eine Vielzahl von Songs zu schreiben und aufzunehmen, so dass er im Prinzip immer in der Lage war, eine Auswahl zu treffen, welche Songs auf ein Album kamen. Viele seiner Songs enstanden dabei während seiner Tourneen. Völlig gleichgültig, zu welcher Uhrzeit er sich an welchem Ort auch immer befand, er liess sich nicht davon abhalten, seiner Inspiration zu folgen und Ideen für neue Kompositionen umgehend in einer Rohfassung aufzunehmen. Diese Vorgehensweise hat ihn zu einem der erfolgreichsten internationalen Singer/Songwriter der gesamten 70er Jahre gemacht, und auf diese Weise ist auch sein erfolgreichstes Album der 70er Jahre überhaupt entstanden.
Die Rede ist von seinem 1979er Blockbuster Phoenix. Einige der Songs von Phoenix sind entstanden, als Dan Fogelberg 1978 für ein Gastspiel einige Tage in der Schweiz weilte. Die atemberaubenden Schweizer Naturlandschaften wie z.B. der Vierwaldstättersee müssen bei ihm wohl ein Dejá Vu ausgelöst haben 2 Jahre nachdem er sein Album Nether Lands in den Rocky Mountains konzipiert hatte.
Wer weiss, vielleicht hat sich der gute Dan dort einfach mal in die Berge begeben, sich ganz alleine auf eine Anhöhe gesetzt und im Stillen bis zum Sonnenuntergang diese phantastische Landschaft auf sich wirken lassen.
Die Album-Singleauskopplung Longer, sein erfolgreichster Hit und zugleich sein lyrischster Song überhaupt, hinterlässt durchaus diesen Eindruck, man muss sich nur mal den Text zu Gemüte führen, hier ein Auszug:
Stronger Than Any Mountain Cathedral, Truer Than Any Tree Ever Grew,
Deeper Than Any Forest Primeval, I Am In Love With You...
Man kann wohl behaupten, dass Dan mit keinem Album seine Naturverbundenheit und sein Engagement für den Naturschutz so sehr zum Ausdruck gebracht hat wie mit Phoenix. Vor allem der für Dan Fogelberg ungewohnt harte Titel - Face The Fire - legt Zeugnis ab für sein Umweltengagement. Die Spenden und Autorentantiemen, die Dan speziell für diesen Song einnahm, übergab er, ohne davon einen Cent für sich zu behalten, einer Stiftung, die als Dachorganisation von Naturschutzprojekten Spendengelder verwaltet, aufteilt und weiterleitet.
In diesem Fall kamen die Gelder, die Dan Fogelberg einsammelte, der Organisation Anti-Nuclear & Pro Solar Energy zugute.
Dan konnte es sich leisten, Geld für gute Zwecke einzusetzen, er war sieben Jahre nach seinem Debütalbum auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Phoenix wurde zum Multimillionenseller, erreichte als höchste Notierung Rang 3 in den amerikanischen Billboard -u. Cashbox-Albumcharts und die Singleauskopplung Longer wurde in 4 verschiedenen Singlecharts dreimal an Nr. 2 und einmal an Nr. 1 notiert. Auch seine andere Phoenix-Singleauskopplung, der Song "Heart Hotels", war ähnlich erfolgreich.
Dan war aufgestiegen zu einem der begehrtesten Musikacts in Nordamerika. Er hatte in der Tat vor allem in den USA die gleiche Popularität erlangt wie beispielsweise Jackson Browne, die Eagles, Crosby Stills, Nash und James Taylor,
und genauso wie diese seine großen Kollegen und Freunde füllte er mit seinem beseelten Singer/Songwriter-Sound ganze Football-Stadien.
Mit seinen kontinuierlich großen Erfolgen über ein fast ganzes Jahrzehnt hinweg, seinem Arbeitseifer und seinem Gespür für die richtigen Songs zur richtigen Zeit hatte sich Dan Fogelberg bei Plattenfirma und Manager einen respektablen Freiraum erspielt. Es war genau der Freiraum, den er im Jahre 1980 brauchte, als er, seiner Intuition folgend, die Planungen für das Nachfolge-Album von Phoenix über den Haufen warf und damit begann, das ganze Konzept noch einmal zu überarbeiten, was für Plattenfirma und Manager vor allem deswegen sehr problematisch war, weil es mit Same Old Lang Syne schon eine Vorab-Singleauskopplung gegeben hatte, und weil der Albumveröffentlichungstermin, wie das eben häufig so ist, in Stein gemeißelt schien.
Die Rede ist von Dan´s Doppelalbum The Innocent Age, welches ursprünglich gar nicht als Doppelalbum geplant war.
Während der Arbeiten im Studio erwuchs in Dan aber einfach das intensive Gefühl und die Überzeugung, dass er für ein einzelnes Album zuviel weglassen müsste von den Songs, die er dafür geschrieben hatte und von dem, was er zum Ausdruck bringen wollte, und so besprach er die Angelegenheit intensiv mit Manager Irving Azoff, der daraufhin die Plattenbosse anrief und ihnen auf seine Weise klarmachte, dass sie einfach noch ein halbes Jahr zu warten hätten. Die Verhandlungen waren für Azoff auch deswegen so einfach zu handhaben, weil beiden Seiten bewusst war, dass sich dieses Warten auf jeden Fall lohnen würde.
Man ist allerdings fast geneigt anzunehmen, dass es Dan Fogelberg viel weniger um kommerziellen Erfolg ging, sondern viel mehr darum, authentisch zu bleiben und mit seinen Songs auch seine Ideale als Singer/Songwriter zum Ausdruck zu bringen, ohne dabei auch nur einen Gedanken an Schallplattenverkaufszahlen zu verschwenden.
Dan wusste ja bei Fertigstellung all seiner Alben, dass er die qualitativen Grundlagen geschaffen hatte, um erfolgreich genug sein zu können, und das traf natürlich auch auf The Innocent Age zu.
Zudem hatte Dan für die Aufnahmen zu seinem ersten Doppelalbum solche Hochkaräter wie Glenn Frey, Don Henley, Emmylou Harris, Joni Mitchell und seinen Hero, Chris Hillmann von den Byrds und den Flying Burrito Brothers, als musikalische Mitstreiter mit ins Boot holen können. Als das Album dann endlich herauskam, wurde Dan Fogelberg einmal mehr zu einem Phänomen für Plattenfirma und Management gleichermaßen. The Innocent Age, ein Album, dass, gemessen an den Erwartungen des kommerziellen Marktes, mit teilweise schwerer Kost aufwartete wie z. B. der überlangen und düster-genialen Schauderballade Ghosts (7 Min, 19 Spielzeit) oder dem ebenso überlangen und traumhaften, instrumental sehr ausschweifenden In The Passage, um nur 2 bemerkenswerte Beispiele anzuführen, dazu das in Weiß gehaltene Plattencover, dass mit einer Abbildung einer Puppe vor einem Grabstein auf einem dunklen Friedhof die Vertonung einer wahrhaft tiefergehenden Seelenwelt vermuten liess,
dieses Album wurde in der Tat zum größten Erfolg in Dans Karriere. Zwar war sein 79er Album Phoenix in den US-Charts 3 Ränge höher notiert, dafür aber erzielte The Innocent Age weltweit die höheren Verkaufszahlen und ein kontinuierlich massives Radio-Airplay in den Radiostationen rund um den Globus, was dazu führte, dass das Album mit den Auskopplungen Hard To Say,
Same Old Lang Syne, Leader Of The Band sowie Run For The Roses gleich 4 weltweite Riesenhits generierte. Es schien so, als würde sich Dan Fogelberg von einem der erfolgreichsten und beliebtesten Singer/Songwriter der 70er Jahre zu einer Art Superstar der 80er Jahre wandeln. Mit The Innocent Age hatte er ja in der Tat den globalen künstlerischen und wirtschaftlichen Durchbruch geschafft. Er absolvierte gigantische Konzerttourneen, und in vielen Ländern ausserhalb Nordamerikas wurde der Name Dan Fogelberg ein Begriff. Selbst in Deutschland wurden die Singleauskopplungen seines 1981er Doppelalbums in vielen Radiosendern rauf und runter gespielt, wie auch viele andere Songs des Albums, jedenfalls in den bayerischen Sendern, das weiss der Autor dieser Biographie nämlich aus eigener Erfahrung.
Um das Eisen zu schmieden, solange es noch heiss ist, schob die Plattenfirma dann im Jahr darauf ein erstes Best Of-Album nach, eine Veröffentlichung, die auf globaler Ebene eine Wiederholung des gigantischen kommerziellen Erfolges von The Innocent Age nach sich zog, und die alleine in den USA mit 3 offiziellen Platinveredelungen zertifziert wurde.
10 Jahre waren inzwischen vergangen seit Dans Debütalbum Home Free, und mit dem Ende dieser Dekade trat auch tatsächlich ein Wandel ein, aber es war kein Wandel von einem der weltweit populärsten Singer/Songwriter hin zum globalen Megastar, woran ja tatsächlich so einige Leute glaubten. Viel mehr ging mit diesen 10 Jahren ein Zyklus zu Ende. Die zweite Hälfte der 80er Jahre und auch die 90er Jahre brachten für den erfolgsverwöhnten und begehrten Sänger und Multi-Instrumentalisten viele Veränderungen auf künstlerischer wie auch auf privater Ebene mit sich.
So hatte er 2 Scheidungen und den Tod seines geliebten Vaters zu verkraften.
Ereignisse, die sich ausgewirkt haben auch auf seine Musik und seine Karriere.
Nachdem Dan seine erste Scheidung hinter sich hatte, meinte Schlagzeuger Joe Vitale zu ihm: "in Gottes Namen, erspare mir nur eines, nämlich nachhause zu gehen und dort das ultimative Scheidungsalbum zu schreiben."
Dan versprach seinem Drummer hoch und heilig, dass er das garantiert nicht tun würde, nur um es am Ende dann doch zu tun.
Die Rede ist von Dan´s 87er Album Exiles, dessen Cover eher einfach gehalten war, nämlich mit einem Foto von ihm selbst, und alle, die um den Entstehungshintergrund dieses Albums wussten, konnten das, was Dan bewegte, deutlich an seinem Gesichtsausdruck ablesen, auch deswegen, weil er seinen Vollbart Gott sei Dank wieder abrasiert hatte.
Um sich selbst wieder zu erden und seine Gefühle und Gedanken auf die Reihe zu bringen, verwirklichte er mit Joe Vitale ein neues, eher abseitiges und privates Projekt, ohne jedoch weitere Ambitionen damit zu verbinden. Der Singer/Songwriter und sein Drummer gründeten eine kleine Rock´n Roll Band, und unter dem Pseudonym Frankie & The Aliens
tourten sie so eine ganze Weile durch Colorado, wo sie ausnahmslos nur in kleinen Clubs und Cafe´s aufspielten.
An seine Multimillionenerfolge
konnte Dan Fogelberg nach The Innocent Age und dem darauffolgenden Best Of Album nie wieder anschliessen.
Bis 2003 produzierte er noch eine ganze Reihe großartiger Alben, von denen einige dem Vergleich mit dem hohen künstlerischen Niveau seiner früheren Longplayer durchaus standhalten konnten, von denen aber nur noch High Country Snows, Exiles und The Wild Places respektabel in nordamerikanischen Albumcharts notiert wurden. Mit den Singleauskopplungen Missing You, Make Love Stay und Lonely In Love lieferte Dan Fogelberg in den Jahren 1982, `83 und `87 allerdings nochmals beachtliche US Top 20 Hits ab. Viel bedeutender als Verkaufszahlen, Ruhm und Chartnotierungen ist aber das, was Dan Fogelberg der Musikwelt auch auf seinen späteren Alben nach The Innocent Age substanziell hinterliess, nämlich nach wie vor wunderschöne Songs, die niemals trivial wirkten, weil sie immer auch eine Geschichte mit realem Hintergrund erzählten, Songs wie z.B. Forefathers,
Go Down Easy oder Sutters Mill, um nur einige zu nennen. 1997 ehrte Columbia Records Dan´s künstlerisches Wirken über nahezu 3 Jahrzehnte mit der Veröffentlichung eines sehr kunstvoll eingebundenen 4 CD-Box-Sets mit dem Titel Portrait - The Music Of Dan Fogelberg.
Die Veröffentlichung dieser Retrospektiven Sammlung war für die Plattenfirma so rentabel, dass sie in den Jahren 2000 und 2001 noch einen Live-Zusammenschnitt und ein Very Best Of hinterherschob.
Das weltweite Interesse für Dan Fogelberg war nach wie vor in hohem Maße vorhanden, und in der Tat schien es so, als würde sich für ihn erneut ein Wandel anbahnen.
Singer/Songwriter, inzwischen Storyteller genannt, gewannen wieder an Bedeutung, und auch das Interesse einer jüngeren Generation an folkbasierten Sounds wurde immer größer.
Legenden wie Johnny Cash, Eagles, James Taylor, Emmylou Harris oder Neil Young waren z. T. noch größer im Geschäft als in ihren eigentlichen sogenannten großen Zeiten und ihre Namen hatten einen noch größeren Klang.
Diese günstige Perspektive hätte für Dan Fogelberg einen neuen Zyklus einleiten sollen.
im Jahre 2003 veröffentlichte er ein Album, mit dem er zurückging zu seinen Wurzeln, dieses Album wurde betitelt mit Full Circle, ein Titel, der rückblickend schicksalshaft erscheint, denn Full Circle wurde sein letztes Album, damit hatte sich ein Kreis geschlossen. Nur wenige Monate nach dieser Veröffentlichung, im Jahre 2004, wurde bei Dan während einer Routineutersuchung Prostatakrebs im fortgeschrittenen Stadium festgestellt. Lange hat er gegen diese furchtbare Krankheit gekämpft und seinen Fans in unregelmäßigen Abständen auf seiner Webseite den letzten Stand der Dinge mitgeteilt und dabei immer wieder Hoffnung verbreitet. Auch wenn seine letzten Botschaften den Eindruck verstärkten, als hätte er den Kampf gegen den Krebs verloren, war sein Tod am 16. Dezember 2007 für alle seine Fans ein Schock.
Dan ist nur 56 Jahre alt geworden. Für unser Zeitalter war er fast noch ein junger Mann, ein junger Mann, der noch viel vorhatte.
Nach der Jahrtausendwende sprach er noch davon, dass er in nicht allzu ferner Zukunft gerne wieder mehr Zeit darauf verwenden möchte, seinen Lieblingsbeschäftigungen der Malerei und des Fotografierens nachzugehen und sich darüberhinaus endlich auch als Charterboot-Kapitän zu beweisen.
Im Jahr nach seinem Tod erschien seine letzte Aufnahme mit dem Titel Sometimes A Song. Die Einnahmen aus dem digitalen Download gingen zu 100% an die Prostate Cancer Foundation, einer Stiftung also, deren Ziel es u. a. ist, Menschen mit Prostatakrebs erfolgreich zu therapieren und massiv die Früherkennung dieser furchtbaren Krankheit zu fördern.
Dan schrieb kurz vor seinem Tod, dass das, was er durchgemacht hat, unsagbar schlimm war, und dass er niemandem wünscht, so etwas jemals durchmachen zu müssen !
Dan war insgesamt dreimal verheiratet. Seine letzte Frau, Jean, ist selbst Musikerin, früher ist sie mit verschiedenen Bands als Gitarristin und Leadsängerin aufgetreten. Dan lernte sie bei einem ihrer Auftritte in einem Café in Santa Fe kennen.
Die Jahre von 1972 bis 1985 waren Dan Fogelbergs kommerziell erfolgreichste Phase mit 15 aufeinanderfolgenden Gold,- Platin und Multiplatinzertifizierungen alleine in den Vereinigten Staaten.
Er gilt als einer der erfolgreichsten und beliebtesten Singer/Songwriter des 20. Jahrhunderts.
Dan Fogelberg hat in über 30 Jahren mit seinem enormen Fleiß, seiner Schaffenskraft als Komponist und Autor, seinem überragenden handwerklichen Können als Multi-Instrumentalist in Kombination mit einer schier angeborenen Virtuosität und natürlich auch mit seinem Naturschutzengament nicht weniger geleistet als seine berühmteren Kollegen James Taylor, Jackson Browne und Neil Young, wenngleich er
zugegebenermaßen niemals deren Kultstatus erlangt hat und niemals so einflussreich wurde.
Es war jedenfalls an der Zeit, diesem wunderbaren und einzigartigen Künstler endlich auch in Deutscher Sprache die Würdigung auszusprechen, die er verdient hat.

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In einem Interview mit dem weltweit führenden Musikmagazin Rolling Stone erinnerte der legendäre Jackson Browne an seinen guten Freund Dan Fogelberg,
mit dem er schon im Jahre 1974 zusammen auf seinem Album Late For The Sky zusammenenarbeitete
Jackson Browne sagte über Dan Fogelberg:
"Er war wunderbar, ein Engel. Die Leute wissen es nicht oder erinnern sich vielleicht nicht mehr, aber er sang die höchsten Harmonien,
er sang höher als Don Henley und J.D. Souther.
Mein Lieblingslied von ihm ist Same Old Lang Syne, es ist diese Geschichte über eine frühere Geliebte, die man am Neujahrsabend im Supermarkt trifft.
Ich sollte es nicht zugeben, aber der Song brachte mich zum Weinen.
Dan war ein sehr emotionaler Songwriter und ein wunderbarer Sänger."
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