|
Sie zählt zu den größten Stimmen und zu den erfolgreichsten Sängerinnen der Rock/Pop History,
auch wenn sie von den deutschen TV-Medien in der retrospektiven Betrachtung sogenannter populärer Musik nahezu totgeschwiegen wird. Auch nach 4 Jahrzehnten im Musikbusiness hat ihre wundervolle Sopranstimme nichts von ihrer Schönheit und Ausdruckskraft verloren.
Der legendäre amerikanische Late Night Talkmaster David Letterman sagte sehr treffend über sie:
"she´s one of the most beautiful singing voices in popular music."
Die Rede ist von der einzigartigen Linda Maria Ronstadt, und dies hier ist ihre Geschichte.
Geboren wurde die Ausnahmesängerin am 15. Juli 1946 in der Westernstadt Tucson/Arizona als jüngstes Kind von Gilbert und Ruthmary Ronstadt.
Als Gesangstalent entdeckt wurde sie mehr oder weniger von ihren älteren Geschwistern, als diese wieder mal Hausmusik zelebrierten und die kleine Linda unvermittelt
mitsang, was ihre Schwester Suzy zur Bemerkung veranlasste: "i think we have a soprano now."
Als Linda dann später auf die Highschool kam, gründete sie mit Schwester Suzy und Bruder Peter das Trio The Three Ronstadt´s und spielte erstmals in ihrem Leben vor einem größeren Publikum.
Die Geschwisterformation, die sich einige Zeit später in "The New Union Ramblers" umbenannte und von Bobby Kimmel an der Gitarre begleitet wurde, spielte sowohl Bluegrass als auch Folk.
Linda selbst sagte über diese Zeit: "Unter dem Namen The Three Ronstadt´s spielten wir bei einigen Produktionen in den umliegenden Countrystudios, davon gibt es sehr viele hier in Arizona, einmal traten wir sogar im Fernsehen auf.
Mir und meinen Geschwistern machte das alles sehr viel Spass und wir sammelten wertvolle Erfahrungen.
Die junge Linda aber wollte mehr, schon damals verfügte sie über eine aussergewöhnliche Willenskraft, diese Willenskraft musste sie sicherlich voll zur Anwendung bringen, als sie im Alter von 17 Jahren ihren Eltern unmissverständlich klarmachte, das sie um jeden Preis nach Los Angeles gehen will, um eine große Sängerin zu werden und nichts und niemand sie aufhalten könne. Vor allem ihren Vater muss sie damit sehr beeindruckt haben, denn dieser stattete sie für ihre lange Reise komfortabel mit sage und schreibe 30$ aus. Linda erzählte: "ich nahm das Geld und weg war ich."
In Los Angeles angekommen, traf sie Bobby Kimmel wieder, ihren alten Schulfreund aus Tucson/Arizona, der sich dort mit dem jungen Gitarristen Kenny Edwards zusammengetan hatte.
Linda, Bobby und Kenny traten zunächst in diversen Clubs in Los Angeles auf, wobei der ursprüngliche Bandname "Kimmel Brothers" schnell fallengelassen wurde zugunsten von "The Stone Poneys."
Die Band veröffentlichte offiziell drei Alben, zerbrach aber nach relativ kurzer Zeit kurzer Zeit an schweren Streitigkeiten schon im Jahre 1968, kurz nach Veröffentlichung ihres zweiten Albums Evergreen Vol.2.
Ihren größten Erfolg hatten die Stone Poneys 1968 mit dem Titel "Different Drum, der #13 in den amerikanischen Billboard Single Charts erreichte.
Erwähnenswert ist hierbei die Tatsache, das Linda diesen Song schon gar nicht mehr mit Kenny Edwards und Bobby Kimmel einspielte, sondern mit 4 anderen Studiomusikern.
Sehr zu Linda´s Leidwesen mussten die Poneys aber nochmals eine gemeinsame Promotiontour absolvieren.
Dem US-Musikmagazin Hit Parader gestand Linda:
"Keiner von uns war sehr gut, unser Material war nicht besonders gut und die Band passte auch nicht mehr zueinander. Ich war damals sehr niedergeschlagen und fast schon depressiv, ausserdem war da noch die Tournee, die wir miteinander durchstehen mussten. Ich hasste die Musik, die wir spielten, und innerhalb der Band gab es nur noch Missgunst und Streit,
wir hiessen ja auch nicht mehr nur The Stone Poneys, sondern Linda Ronstadt & the Stone Poneys, was mir persönlich überhaupt nicht wichtig war.Von mir aus hätte es eine Tour von Freunden sein können und niemals hatte ich die Absicht, jemandem die Show zu stehlen.
Ich wollte einfach nur singen, mehr nicht. Mir hat das damals alles sehr wehgetan.
Einige Songs konnten die Poneys noch für das dritte Album einspielen, aber die reichten nicht aus für ein ganzes Album, und so formierte Linda um Steve Gilette und Shep Cooke eine kompetente Band aus Studiomusikern, um dieses letzte Stone Poneys Album Linda Ronstadt, the Stone Poneys & Friends, Vol.3. fertigzustellen.
Viele wunderten sich damals über die Numerierungen der Stone Poneys Alben, vor allem, weil das Album Evergreen mit dem Zusatz Vol.2 versehen war und das darauffolgende Album mit Vol.3, obwohl das wiederum einen anderen Titel trug.
Die Erklärung hierfür ist einfach.Die Poneys numerierten ihre Alben durch, das erste Album wurde schlicht und ergreifend betitelt mit
The Stone Poneys, das zweite Album Evergreen bekam den Zusatz Vol.2, weil es eben das zweite Album der Poneys war, das dritte und letzte Album bekam dann logischerweise den Zusatz Vol.3.Um dieses letzte Album zu promoten, ging Linda mit einigen Studiomusikern auf Tour,
danach gab es die Stone Poneys auch offiziell nicht mehr.
Linda war von nun an eine Solosängerin und Produzent Nick Venet sollte Recht behalten mit seiner Einschätzung, das dies für Linda das beste sei.
Nach dem Auseinanderbrechen der Stone Poneys verbrachte Kenny Edwards einige Zeit in Indien,
wo er transzendentale Meditation studierte.
Später schrieb er wieder Songs und trat u.a. als Produzent von Karla Bonoff´s Debütalbum in Erscheinung.
Diese Konstellation sollte sich für Linda später als Glücksfall erweisen.
Bob Kimmel hingegen verdingte sich verschiedentlich als Bassist, machte einige Sachen mit Doc und
Merle Watson und organisierte für diverse amerikanische Bands Konzerttourneen in Japan.
Linda selbst war vor Veröffentlichung des Albums "Hand Sown-Home Grown" im Jahre 1969 in der Los Angeles Folkrock Bewegung als Gastsängerin sehr gefragt.
"Hand Sown-Home Grown" war kommerziell zwar ein Flop, aber die Songauswahl und die Tatsache, das sich Linda an solchen Größen wie Bob Dylan und Randy Newman orientierte, verdeutlichte,
das es ihr in erster Linie nicht um das schnelle Geld ging, sondern darum, eine eigene musikalische Identität zu entwickeln, sie wollte nie ein Produkt sein.
Linda wollte ihren eigenen Weg gehen, einen Weg, den vor ihr noch niemand gegangen ist.
Sie fühlte ihr eigenes Potential und war sich sicher, das sich der Erfolg eines Tages einstellen würde.
Ihre Musik klang im Ganzen noch rauh und ungeschliffen, aber Linda schwamm nicht mit dem Strom.
Jeder einzelne Tag brachte ihr eine Weiterentwicklung, denn sie arbeitete hart an sich und hielt Ausschau nach wirklich guten Musikern, um ihr nächstes Album einspielen zu können.
Und so begann sich ein Personalkarussell zu drehen, mit dem Linda für die nächsten Jahrzehnte konfrontiert sein sollte.
Die legendäre Countryrock-Formation "The Nitty Gritty Dirt Band" hatte sich in diesen Tagen erstmals aufgelöst,
was zur Folge hatte, das sich Chris Darrow, Jeff Hanna, John London und John Ware mit ihren gerade neugegründeten Corvettes von Linda engagieren liessen.
So entstand die Formation "Linda and her Corvettes."
Nach einigen Monaten jedoch formierte sich die Nitty Gritty Dirt Band neu und Jeff Hanna verlies die Corvettes,
für ihn kam Bernie Leadon in die Band, der zuvor bei Dillard & Clark spielte.
Leadon allerdings wechselte kurze Zeit später zu den "Flying Burrito Brothers."
Ende 1969 ging Linda in die Countrymetropole Nashville/Tennessee, um ihr zweites Album "Silk Purse" einzuspielen.
Um dieses Album zu realisieren, bedurfte es natürlich eines guten Produzenten.
Keine Geringere als die Rocklegende Janis Joplin gab Linda den guten Rat, doch mal bei Elliott F. Mazer anzuklopfen,
denn dieser Mister Mazer war schon 1967/1968 bei Janis Joplin´s Major Label Debut zugegen und produzierte mit Janis & Big Brother And The Holding Company das legendäre Album Cheap Thrills. Gesagt, getan, Linda nahm die Empfehlung ernst und klopfte bei Produzent Mazer an, welcher dann tatsächlich auch zusagte. Wie sollte er denn auch anders, bei einer Empfehlung von Janis Joplin!
Für die Aufnahmen zu Silk Purse konnte Linda ausserdem noch den sehr gefragten
Countrymusiker Gib Guilbeau, dessen Band "Nashville West" sich im Jahr zuvor aufgelöst hatte,
weil Clarence White und Gene Parsons zu den Byrds wechselten, und der im Begriff war,
mit Swampwater eine neue Formation ins Leben zu rufen, an Land ziehen.
Gib Gilbeau´s neue Band Swampwater, die mit der folkloristischen Diktion Louisianas musizierte,
erklärte sich bereit, mit Linda auf Tour zu gehen und so geschah es.
Adäquat begleitet, transportierte Linda Ronstadt mit einer kräftigen, bluesgefärbten Stimme Countryfeeling in die Rockwelt."
1971 trennten sich die Wege von Linda und Swampwater, denn die Band wollte nicht mehr länger nur Begleitband sein, sondern die eigene Karriere voranbringen. Im gleichen Jahr formierte Linda Glenn Frey, Don Henley, Randy Meisner und Bernie Leadon für ihre Backing Band und hob somit die Eagles aus der Taufe, und das kam so.
Glenn Frey, der zusammen mit J.D. Souther unter dem Namen "Longbranch Pennywhistle" ein Album veröffentlichte, gab sein Okay, in Linda´s neuer Band zu spielen. Gerne hätte die aufstrebende Miss Ronstadt auch den begnadeten Singer/Songwriter J.D. Souther in ihrer Band gehabt, aber der war selbst bestrebt, eine Solokarriere zu starten.
Aber nach dem Zerfall der Formation "Shilo" fanden sich Mike und Richard Bowden sowie Don Henley ein, um Linda´s Band zu komplettieren.
Linda traf Glenn Frey im legendären "Troubadour" in Los Angeles und sprach mit ihm über die Zusammensetzung der Band, als er seinen ebenfalls anwesenden Freund Don Henley bemerkte, Frey ging zu ihm hin und erzählte ihm, das Linda eine neue Band zusammenstellt und sie noch einen Drummer benötige und ob er denn nicht Lust hätte,
für 200 Mücken die Woche in Linda´s Band zu spielen, glücklicherweise willigte Henley sofort ein.
Linda´s damaligem Produzenten John Boylan war das aber noch nicht genug, er wollte die optimale Formation und war daher willens,
gute Musiker gegen noch besseres auzutauschen, wenn sich die Möglichkeit dazu bieten würde, und diese Gelegenheit kam, als Mike Bowden erkrankte und ein neuer Bassist benötigt wurde.
Boylan hatte längst Poco Mitbegründer Randy Meisner im Visier. Meisner war zwar gerade erst bei "Rick Nelsons Stone Canyon Band eingestiegen, doch Boylan fragte ihn trotzdem, ob er in Linda´s Band spielen wolle, und Randy Meisner stimmte tatsächlich zu.
Das Zusammenspiel von Don Henley, Glenn Frey, Randy Meisner, Richard Bowden und Linda klappte auf Anhieb und war eine Klasse für sich. Bei einem Konzert in Florida wollte es der Zufall, das sich Linda´s ehemaliger Gitarrist Bernie Leadon im Publikum befand. Während einer kurzen Pause kam Leadon auf die Bühne, um Linda zu begrüßen, schnappte sich dabei eine Gitarre und meinte zu Linda, er könne ja mal aus Spass ein wenig mitspielen.
Linda war davon offensichtlich recht angetan und als das Konzert dann weiterging, stand zum erstenmal die Urformation der Eagles auf der Bühne, Don Henley, Glenn Frey, Randy Meisner & Bernie Leadon.
Diese 4 befanden sich dann auch in Linda´s Studioformation, als Linda dann ihr nächstes Soloalbum einspielte, das schlicht und einfach mit Linda´s Namen betitelt wurde.
Trotz des Ehrgeizes von John Boylan wollte der kommerzielle Durchbruch aber noch nicht so recht gelingen.
1973 übernahm Peter Asher vom britischen Duo Peter & Gordon die Produzentenregie.In Zusammenarbeit mit John David Souther und John Boylan produzierte er Linda´s 73er Album "Don´t cry now."Dieses Album erreichte #45 in den amerikanischen Billboard Album Charts und verblieb insgesamt 56 Wochen in den Charts.
Die Rockwelt horchte auf und Linda kam ihrem Ziel der internationalen Anerkennung immer näher.
Peter Asher übernahm nun mehr und mehr die Regie in Linda´s Karriere, er wusste genau, was zu tun war, er hielt Linda den Rücken frei, damit sie sich in Ruhe auf das nächste Album vorbereiten konnte, denn für Linda war es nun sehr wichtig,
sich nicht ablenken zu lassen, sie sollte sich nicht mehr um alles und jeden kümmern, um nicht innerlich auszubrennen, bevor es richtig losgeht.
Peter Asher war ein Visionär und hatte großes vor mit Linda.
Ein altes amerikanisches Sprichwort sagt:
"Let´s make hay while the sun is still shining", was nichts mit dem Heu zu tun hat, das man in die Scheune fährt, sondern übersetzt soviel bedeutet wie "Schmiede das Eisen, solange es noch heiss ist",
diesem Sprichwort folgend arbeitete das Team Asher/Ronstadt nun fleissig daran, eine Band für das nächste Album zusammenzustellen
und so kommen wir zum nächsten Sprichwort, das da heisst:
"Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus."
Eines schönen Abends im Jahre 1974 besuchte Linda ein Konzert der Rangers, um Kenny Edwards, ihren Weggefährten aus alten Stone Poneys Zeiten wiederzusehen.
Der Star dieses Abends jedoch war das Multi-Instrumental-Genie Andrew Gold (Thank you for being a friend).
Linda war so beeindruckt von Gold, das sie ihn nach dem Konzert fragte, ob er denn nicht Lust hätte, zusammen mit Kenny Edwards für sie zu spielen, und tatsächlich sagten beide sofort zu, auch weil ihnen klar war, das sie bei den Rangers nicht annähernd die gleichen Zukunftsaussichten hatten wie in Linda´s Band.
Der Schlagzeuger Mickey McGee verliess zwar kurzfristig die Formation, weil er sovielen anderen Verpflichtungen nachkommen musste, das er nicht mehr fest für Linda spielen konnte,
aber dennoch hatten Peter Asher und Linda eine sagenhafte Formation zusammenbekommen, und als Drummer fanden sich Lloyd Myers,Russ Kunkel und Don Henley ein. Für das Asher/Ronstadt Team gab also keinen Grund zur Sorge, und Mickey McGee war selber Schuld daran, das er nicht teilhaben würde an einer Sache,
die um sovieles bedeutender sein sollte, als seine vielen anderen Termine.
 Im Spätsommer 1974 spielte Linda Ronstadt mit einer Band, für die die Bezeichnung überdurchschnittlich gut noch stark untertrieben ist und solch hockkarätigen Gastmusikern wie den Eagles, Emmylou Harris, Teufelsgeiger David Lindley und dem legendären Singer/Songwriter John David Souther
das epochale Album Heart like a Wheel ein,
ein überragendes Album, das man im gleichen Atemzug mit Rumours von Fleetwood Mac, Hotel California von den Eagles oder Running on Empty von Jackson Browne nennen kann, ein absolutes Juwel des Southern California CountryRock.
Die Veröffentlichung des Albums im November 1974 katapultierte Linda quasi über Nacht an die absolute Weltspitze.
Auf Heart like a Wheel befindet sich nicht ein einziges schwaches Stück, egal welcher Song, ob nun Phil Everly´s When will i be loved, Willin´ von Little Feat Frontmann Lowell George oder James Taylor´s You can close your eyes,
Linda brachte diese und all die anderen Songs auf atemberaubende Weise. Es war fast so, als hätten all diese Songs nur darauf gewartet, von Linda gesungen zu werden. Produzent Peter Asher verstand es vorzüglich, jeden Titel sozusagen "Lindalike" zu machen, also so zu arrangieren, das sie ihr auf den Leib geschnitten waren. Zur richtigen Zeit trafen sich die richtigen Musiker, die richtige Sängerin und der richtige Produzent, die Zeit war reif für Linda Ronstadt und Amerika schmückte sie mit den Titeln Queen of Rock, Queen of CountryRock und The All American Girl.
Der Erfolg von Heart like a Wheel kam nicht von ungefähr und schon gar nicht über Nacht, denn Linda bewies seit ihrer Ankunft in Los Angeles, das man als Frau vor allem durch harte Arbeit und Disziplin in diesem Geschäft ganz nach oben kommen kann, wenn man unaufhörlich an sich arbeitet, seinen Instinkten folgt und auch in schweren Zeiten niemals seine Ideale aus den Augen verliert.
Peter Asher führte Linda von nun an und kontrollierte weit mehr als nur die reine Produktion im Studio, er war von nun an Linda´s persönlicher Betreuer, Manager, Produzent und guter Freund, der seine Verantwortung Linda gegenüber sehr ernst nahm, denn er hatte die Schicksale anderer großer Stars vor Augen, die am frühen Ruhm und den Drogen zerbrachen, weil niemand da war, der sie führte.Immer öfter wurde Peter Asher als Linda´s Guru bezeichnet, andere wiederum sprachen vom Team Asher/Ronstadt, was sicherlich zutreffender war, denn beide stimmten in ihren Ansichten hinsichtlich musikalischer Qualität völlig überein und beide hatten die gleiche professionelle Einstellung.
Nach der Veröffentlichung von Heart like a Wheel wollten alle nur noch Linda, man sah sie in den Shows von Cher, Johnny Carson, Johnny Cash,
ihr Gesicht zierte das Cover des berühmten Rolling Stone und noch vieler anderer Magazine,
die Zeitungen und Fernsehsender rissen sich um die bildschöne Sängerin mit der aussergewöhnlichen Stimme.
die Pressefotografen folgten ihr nun auf Schritt und Tritt, sie wurde förmlich belagert,
doch Peter Asher konnte seinen Schützling gut abschirmen, er blieb konsequent und liess nicht zu, das Linda´s Privatsphäre zu sehr gestört wurde, so das sie sich auf das Wesentliche konzentrieren konnte.
Linda sagte einmal über Peter Asher:
"Er hielt sie alle davon ab, wie eine Horde Barracuda´s über mich herzufallen, bis nichts mehr von mir übrig ist."
In den sechziger Jahren traf Linda einmal einen windigen Produzenten, der ihr sagte, er werde aus ihr einen Surf-Music-Star machen, er erzählte ihr, sie dürfe dafür nur diese und jene Songs singen und nur diese und jene Klamotten anziehen, Linda lehnte damals dankend ab, denn sie wollte ihr verdammtes Baumwoll T-Shirt tragen, singen, was ihr gefällt und sich nicht verbiegen lassen.Ihre damalige Sturheit zahlte sich nun aus.
Was Linda während ihrer harten Jahre mit den Stone Poneys sicherlich nicht einmal zu träumen wagte, trat nun ein,
sie erhielt ihren ersten Grammy Award, überraschenderweise als beste weibliche Countrystimme, überraschend deswegen, weil Linda sich selbst eigentlich niemals als Countrysängerin verstand,
wörtlich sagte sie einmal, "Don´t call me Country." Bezeichnenderweise schrieb der Rolling Stone darüber:
"Sie vermittelt die Stimmung dieser Musik, ohne sich vollständig mit ihr zu identifizieren."
 Mit dem Erfolg ging es natürlich auch finanziell bergauf und für 325.000 $ kaufte sich die Westcoastqueen eine geräumige Villa in Strandnähe,
welche sie regelmäßig auch ihren Freundinnen und Freunden wie Emmylou Harris oder den Eagles zur Verfügung stellte.Dazu gibt es auch eine kleine, aber bemerkenswerte Anekdote. Die Eagles und Linda sassen wieder einmal zusammen und probten spielerisch einige Musikstücke. Linda erzählte später darüber:
"Als ich hörte, wie die Jungs Witchy Woman spielten, wusste ich, die machen ihren Weg."
Linda war nun längst zum Herzstück der Westcoast Music Mafia geworden, so nannte man eine verschworene Clique von Musikern, deren Einfluss in der Musikszene von Los Angeles nicht gerade unerheblich war. Den harten Kern dieser Clique bildeten zweifelsohne J. D. Souther, Glenn Frey, Don Henley & Jackson Browne, sie mischten bei vielen Produktionen mit, empfahlen Musiker, halfen sich oft gegenseitig aus,
schrieben Songs füreinander und erreichten mit ihrem wachsenden Einfluss, das sich Ihnen immer mehr gute Musiker und Songwriter anschlossen.
Das große Können von Leuten wie Rosemary Butler, Dan Dugmore, Danny Kortchmar, Don Henley und Russ Kunkel trug dann auch lange Jahre sehr zum Gelingen der Alben von Linda Ronstadt, Jackson Browne, Dan Fogelberg und sogar Stevie Nicks bei.
Niemand in diesem Kreis war sich zu schade, sich gegenseitig auszuhelfen, und sei es nur als Backgroundstimme, so sang Linda beim Eagles Welthit Take it easy und bei Neil Young´s Heart of Gold die Backing und Harmony Vocals und Bandmitglieder von Little Feat und den Eagles trafen sich mit Neil Young und James Taylor bei Linda im Studio oder umgekehrt,
und wenn man sich nicht im Studio traf, dann eben in Linda´s Strandvilla.
Ein Teil dieser musikalischen Familie traf sich dann mit Linda 1975 im Studio, um das Heart like a Wheel Nachfolgealbum Prisoner in Disguise einzuspielen.Gastmusiker auf diesem Album waren u.a. Emmylou Harris, Maria Muldaur, Lowell George von Little Feat, James Taylor, Teufelsgeiger David Lindley sowie der begnadete Singer/Songwriter John David Souther.
Als Prisoner in Disguise dann veröffentlicht wurde, traf sich John David Souther mit Poplegende Art Garfunkel, um ihm das Album vorzuspielen.Art Garfunkel war unglaublich angetan von dem Album, er erzählte später einem Reporter, das für ihn die Welt stehenblieb als er das Album hörte und er sich wünschte, das alle Menschen es hören.
Prisoner in Disguise ist trotz solcher Rocker wie Heat Wave und Roll um Easy ein eher balladeskes, ruhiges Album voller Tiefgang.
Mit ihren Interpretationen von Songs wie Hey Mister, that´s me up on the Jukebox von James Taylor, I will always love you von Dolly Parton,
Many Rivers to cross von Jimmy Cliff oder Silver Blue von John David Souther
überzeugte Linda Fans, Kollegen und Kritiker restlos und man fand ihr Konterfei erneut abgebildet auf dem Cover des Rolling Stone, der sie als The Million Dollar Woman bezeichnete in Anspielung auf das viele Geld,
das sie mit den hohen Verkaufszahlen verdiente.

1976 wurde der Rockgitarrist Waddy Wachtel, der Linda´s Band im Jahr zuvor schon bei ihren Live-Auftritten im Roxy und im Greek Theatre verstärkte, zu einem festen Bandmitglied und Kenny Edwards brachte Linda mit der begnadeten Sängerin und Songschreiberin Karla Bonoff zusammen.Linda Ronstadt und Karla Bonoff schrieben mit Lose again, if he´s ever near,
Lo Siento mi vida, Try me again und Someone to lay down beside me insgesamt 5 Songs für das 76er Album Hasten Down The Wind.
Diese Songs stehen dem Titelsong des Albums, einer erstklassigen Warren Zevon Komposition, in nichts nach.
Sehr hörenswert ist zudem die A-Capella Version des Klassikers Rivers of Babylon.
Die als Single ausgekoppelten Coverversionen von Willie Nelson´s Crazy und Buddy Holly´s That´ll be the Day wurden zwar große Hits, stehen aber im krassen Gegensatz zum eigentlichen Charakter des Albums, das wesentlich weniger Countryelemente enthielt als alle bisherigen Vorgängeralben.
Im Grunde hatte Linda längst ein eigenes musikalisches Genre geschaffen,
den Ronstadt-Sound, Westcoastsound von ganz besonderer Güte. Typisch für diesen Sound war der schon erwähnte Close-Harmony Gesang, diese Tiefe und Schwere in ihren Songs, mit dem sie ihr Loser in Love Image pflegte, die Fusion verschiedenster musikalischer Elemente zu einem ganz besonderen Sound, all das kam auf Hasten Down The Wind noch viel mehr zum Tragen als auf den Vorgängeralben. Linda blieb sich ihrem Grundsatz treu, lieber authentisch zu sein als Kommerz abzuliefern, der große Erfolg gab ihr Recht.
Auch zu Hasten Down The Wind gibt es eine kleine, aber feine Anekdote.
Ethan Russell fotografierte Linda Ronstadt für das Albumcover von Hasten Down The Wind am Strand von Malibu. Das Pferd im Hintergrund war dabei gar nicht eingeplant, es war reiner Zufall.Linda bemerkte es, drehte ihren Kopf und sagte zu Russell: "Don´t shoot." Sie befürchtete nämlich, das Pferd könne sich erschrecken und den Reiter abwerfen, aber da war es schon zu spät,
denn genau in dem Moment, als Linda das sagte, drückte Ethan Russell auf den Knopf.
Im Laufe des Jahres 1976 kristallisierte sich immer mehr heraus, das Andrew Gold die Band zugunsten einer Solokarriere verlassen würde.Er nutzte jede freie Minute, um ein eigenes Soloalbum zu aufzunehmen und Linda Ronstadt überliess ihm bei ihren Konzerten sogar gelegentlich die Bühne, damit er seine eigenen Stücke vortragen konnte.Als genialer Frontmann der Linda Ronstadt Band hatte er bei den Fans so etwas wie einen Sonderbonus und seine Songs kamen dann auch recht gut beim Publikum an.
Zu Beginn des Jahres 1977 veröffentlichte Andrew Gold dann mit Erfolg seine erste Solosingle "Lonely Boy" und es kam, was kommen musste, der überaus ehrgeizige Multiinstrumentalist, Songwriter und Sänger verliess die Band und Linda verlor ihren wertvollsten Musiker.
Die Zukunft sollte jedoch zeigen, das an dem Spruch "niemals geht man so ganz" manchmal doch was dran ist.
Zunächst aber musste Linda nach neuen Musikern Ausschau halten, denn mit Andrew Gold, der perfekt Gitarre und Tasteninstrumente beherrscht, verliess auch der Schlagzeuger Michael Botts die Band, denn der wechselte zur neuformierten Gruppe Bread.In dieser Situation zeigte sich, welch ein Glücksfall es war, Waddy Wachtel im Jahr zuvor als Gitarristen zu engagieren.Wachtel ist zwar kein Multiinstrumentalgenie wie Andrew Gold, jedoch kann man ihn ohne Übertreibung als Weltklassegitarristen bezeichnen und so musste Linda wenigstens keinen neuen Gitarristen suchen. Wachtel hatte zudem exzellente Kontakte zu anderen Topmusikern, und so nahm er Kontakt auf zu Keyboarder Don Grolnick, auch in Jazzkreisen kein Unbekannter, sowie zu Drummer Ricky Marotta, beide mussten nicht erst lange überredet werden und stiegen in Linda´s Band ein.
Nach einigen Proben ging es dann wieder ins Studio.
Es schien so, als gäbe es für Linda Ronstadt, Producer Peter Asher und die gesamte Band keine Freizeit mehr.
Linda war nach Hasten Down the Wind fast nonstop on the road, dazu der Nervenstress wegen der personellen Veränderungen in ihrer Band, die Planung für das neue Album und dann wieder eine Tour, Auftritte in TV Shows, das war insgesamt ein Knochenjob für alle und ging an die Substanz.So ist es auch nicht verwunderlich, das Linda ziemlich rabiat werden konnte, wenn Pressefotografen zu aufdringlich wurden und sie in ihrer sehr knapp bemessenen Freizeit zu sehr störten, was ihr damals den Ruf einbrachte, in manchen Fällen ein Mundwerk zu haben, das selbst den gröbsten Trucker in den Schatten stellte.
Mit der Veröffentlichung des Albums Simple Dreams im August 1977 untermauerte Linda Ronstadt ihren Status als Westcoast-Queen, Queen of Rock und Queen of CountryRock sehr deutlich. Von keiner anderen Sängerin hörte man jemals zuvor eine so gelungene Fusion aus Rock und Country, was ihr auch von der Fachwelt bestätigt wurde.
Der frühere Nitty Gritty Dirt Band Gitarrist & Sänger Chris Darrow sagte wörtlich:
Linda Ronstadt brachte wahrscheinlich mehr Fans zum CountryRock als irgendjemand sonst.
Linda Ronstadt - Die Queen of the Scene.
Wahrscheinlich die Beste aller Sängerinnen dieser Periode."
Linda Ronstadt bot mit Simple Dreams genau das, was man unter der Westcoast-Variante des CountryRock verstand, und genau das war es auch, was alle Welt von Linda letztendlich erwartete. Vor allem die Eagles und Linda Ronstadt wurden damals zum Synonym für den California CountryRock, und mit dem formidablen Album Simple Dreams wurde Linda den damaligen Erwartungshaltungen der Fans dieses Musikstils völlig gerecht, obwohl Linda`s '77er Longplayer wesentlich rockiger daherkam als alle Vorgängeralben.
Simple Dreams bot eine großartige Mischung aus echten Krachern, balladesken Stücken und authentischen Traditionals, It´s so easy von Buddy Holly und Tumbling Dice von den Rolling Stones brachte Linda,
nicht zuletzt auch durch Waddy Wachtel´s phänomenalem Einsatz an Lead & Electric Gitarre, sehr konsequent rockig und dennoch so virtuos, das diese Stücke angesagter klangen als die Originale. Mit Poor Poor Pitiful, um nur eines von vielen Beispielen herauszugreifen, zeigte Linda sehr eindrucksvoll,
das Countryrock ein völlig eigenständiger Musikstil ist, den nur wenige meisterhaft beherrschen und der rein gar nichts gemeinsam hat mit dem substanzlosen, langweiligen, flachen, industrialisierten, seelenlosen und ewig reproduzierbaren Countrypop heutiger Tage.
Linda`s neuformierte Band leistete überragende Arbeit und konnte den Verlust von Andrew Gold völlig kompensieren und hielt das hohe Niveau der Vorgängeralben aufrecht.
Simple Dreams verdrängte Rumours von Fleetwood Mac von Rang 1 der US Billboard Album-Charts und blieb dort für 4 Wochen. Auch in den Country-Album-Charts belegte Simple Dreams, wie auch schon das phänomenale Heart like a Wheel, Rang 1.
Es wurden insgesamt 5 Singles ausgekoppelt, von denen Blue Bayou und it´s so easy zu weltweiten Monsterhits wurden.
Obwohl Zahlen und Chartnotierungen niemals substanziell etwas über Musik aussagen, so war es bei Linda doch so , das Sie sich ihren kommerziellen Erfolg immer mit herausragender Qualität erarbeitet hat. Nicht nur Linda´s Darbietungen waren von einem exorbitant hohen Qualitätsstandard, im Grunde war alles an einer Ronstadt-Produktion hochqualitativ,
so erhielt beispielsweise Fotograf und Coverdesigner John Kosh für die gelungene Gestaltung des aufklappbaren Albums einen Grammy Award. Linda Ronstadt hingegen wurde mit dem American Music Award ausgezeichnet und löste zudem Barbara Streisand an der Spitze der Einkommensmillionärinnen ab.
1978 überraschte Linda mit neuem Look, neuem Outfit und 2x Elvis.
Sie liess sich eine lockige Kurzhaarfrisur verpassen und präsentierte sich mit Rollschuhen auf dem Cover
des Albums
Living in the USA, dessen Rückseite originellerweise mit Back in The USA betitelt wurde und das u.a. mit Andrew Gold als Gastmusiker eingespielt wurde. Auch ihr Sound veränderte sich und wurde etwas poppiger, wofür Linda von einigen Musikjournalisten teilweise stark kritisiert wurde,
weil ihnen das Album zu glatt erschien,
dennoch ist Living in the USA astreiner Westcoastsound und hat eine Klasse, die man erst einmal erreichen muss.
Trotz der Schelte der Kritiker kam Linda´s 1978er Album auf Rang 1 der amerikanischen Billboard Album Charts und wanderte alleine in den USA in über 4 Millionen Exemplaren über die Ladentische,
was einen zunächst schwer verärgerten
Elvis Costello dann doch einigermassen zum Umdenken brachte.
Als der britische Rocksänger hörte, das Linda seinen Song Alison aufgenommen hat in einer Version,
die ihm überhaupt nicht gefiel, war er ziemlich aufgebracht und liess über Musikjournalisten ausrichten,
das die Aufnahme eine Verschwendung von Vinyl sei, eine Äusserung, die er später selber als grob und unhöflich bezeichnete.
Costello meinte auch, das er sich damals ziemlich hochnäsig gegenüber Linda verhalten hat, aber als dann wenig später das Geld von Linda´s Plattenfirma sein Bankkonto auffüllte,
änderte er seine Einstellung. Costello wörtlich:
Das Geld erlaubte mir wirklich, viele Sachen zu machen, ich konnte meinen eigenen Weg gehen.
Ich stand nicht mehr unter diesem Druck meiner Plattenfirma, weil ich Geld von Linda´s Plattenverkäufen bekam.
Die Aufnahmen mit 'Alison' verkauften vier Millionen Kopien. Das war viel Geld,
wahrscheinlich bezahlte ich dadurch meine Rechnungen länger als durch jede meiner eigenen Aufnahmen. Mein Publikum in den USA wurde grösser durch Linda Ronstadt.
Sehr bemerkenswert war auch Linda´s Version des Elvis Presley Klassikers Love me Tender.
Ein New Yorker Radio DJ mixte live on Air beide Versionen, also Original und Linda´s Version zu einem Duett zusammen und viele Amerikaner schwelgten in dem Gedanken,
wie es wohl gewesen wäre, wenn der King of Rock&Roll nicht im Vorjahr gestorben wäre.Ein Live-Duett von Linda und Elvis wäre in diesen Tagen bestimmt nicht unwahrscheinlich gewesen.
Leider gab es für Linda 1978 nicht nur Erfolge zu vermelden, denn Waddy Wachtel, Dan Dugmore und Ricky Marotta wollten eigene Wege gehen und so brach Linda´s Band auseinander.Auf den Tourneen halfen ihr Bob Glaub und Danny Kortchmar von Jackson Browne´s Band sowie Little Feat Keyboarder Bill Payne aus der Klemme,
doch diese Gastmusiker standen nicht dauerhaft zur Verfügung und so wurden Linda´s Konzerte seltener und es sollte 2 Jahre dauern, bis sie wieder in der Lage war, ein Album zu produzieren,
da erstklassige Musiker, die verschiedene Stile perfekt beherrschen, nicht auf den Bäumen wachsen, auch nicht in Amerika.
In nur etwas mehr als 4 Jahren seit Veröffentlichung von Heart like a Wheel Ende 1974 bis zum Jahre 1979, verkauften sich Linda´s Alben weltweit in einer Stückzahl von über 22 Millionen Einheiten, und durch ihre zahlreichen Singlehits in der ganzen Welt und solcher weltweiter Monsterhits wie You´re no good, When will i be loved, It´s so easy & Blue Bayou sowie diversen Samplern stand Linda damals schon bei gut 40 Millionen weltweit verkauften Tonträgern insgesamt (Alben & Singles).
Von Blue Bayou beispielsweise wurden in den USA über 1,5 Millionen und weltweit über 8 Millionen Einheiten verkauft.
So bescherte das Album Simple Dreams mit seinen Singleauskopplungen Linda Ronstadt weltweite Verkaufszahlen von über 17 Millionen.
Dies sei an dieser Stelle auch deswegen erwähnt, weil die deutschen Medien, vor allem die großen Fernsehsender mit ihren diversen Rückblicken & Chartshows die Rock/Pop-History traurigerweise lediglich auf Deutschland und auf die deutschen Media-Control Verkaufszahlen reduziert und irgendwelche Rankings veröffentlichen, die bei Laien und dem jüngeren Publikum den Eindruck erwecken, dies sei echte und umfassende Rock/Pop-History,
wobei die tatsächliche weltweite Rock/Pop-History dadurch in Wirklichkeit ad absurdum geführt wird.
Allerdings waren die deutschen Medien nicht immer so ignorant und Linda Ronstadt ´s Bedeutung innerhalb der Rock/Pop-Szene wurde hierzulande sowohl in den führenden Musikgazetten Deutscher Rolling Stone, Musik Express und sogar der BRAVO
verdeutlicht. Es war allerdings eine große deutsche Illustrierte, die sogar ein Poster einer Allstar Band herausbrachte mit Linda als Frontfrau zusammen mit Bette Midler .
Die Internationale Presse hingegen war allerdings wesentlich häufiger mit Linda Ronstadt befasst.
Das hochangesehene Time Magazine beispielsweise setzte ihr Konterfei auf die Titelseite und der amerikanische Rolling Stone widmete ihr zahlreiche Titelstory´s, für die Linda
u.a. auch des öfteren von Annie Leibovitz, einer der bedeutendsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts abgelichtet wurde.
es kam dann auch, was kommen musste, Linda erhielt schliesslich auch anderweitige Foto-Offerten, doch Linda´s deutliche Absage an das amerikanische Männermagazin Hustler, welches ihr eine Millionenofferte für Nacktaufnahmen unterbreitete, war eine Sensation,
Linda lehnte so etwas kategorisch ab, da sie als 17jährige ihrem Vater fest versprochen hatte, niemals Nacktaufnahmen von sich machen zu lassen, denn das Versprechen, das sie einst ihrem Vater gegeben hat,
war ihr mehr wert als alles Geld dieser Welt, eine Haltung, mit der sie sich noch mehr Respekt verschaffte, als man ihr ohnehin schon entgegenbrachte im amerikanischen Musikzirkus, in deren Mittelpunkt die hinreißend schöne Linda mehr als alle anderen Rocksängerinnen in diesen Jahren unzweifelhaft stand,
wenngleich es ihr allerdings eine große Freude zu bereiten schien, die Öffentlichkeit mit starken Sprüchen zu provozieren, so sagte sie damals: "Ich wünschte, ich hätte soviele Männer im Bett gehabt, wie man mir nachsagt."
Mittelpunkt war Linda auch im Musikfilm FM der 1978 zu den erfolgreichsten Filmen zählte und der unter dem Motto "We never come down to Earth" auch als Platinveredelter Soundtrack erschien.
Linda ist hier mit zwei Live-Mitschnitten von Poor Poor Pitiful me und Tumbling Dice zu hören, und im Film ist sie komplett mit ihren Live Darbietungen auch zu sehen.Leider wurde Linda in FM bei Ihrer Ansage an das Publikum für das deutsche Fernsehen synchronisiert, deswegen leider,
weil Linda bei ihrer Ansage an das Publikum so unglaublich schnell spricht, das gegen sie selbst ein Dieter Thomas Heck in seinen besten Zeiten fast schon zeitlupenartig wirkt.
Doch kommen wir zurück auf das Jahr 1979, ein Jahr, in dem Linda keine Albumproduktion ablieferte und dennoch ein triumphales Jahr, an der Schwelle zu einem neuen Jahrzehnt wurde der Queen Of Rock die absolute Krönung zuteil, nämlich der sogennante
Special Decade Award, denn mit dem wurde Linda als erfolgreichste Sängerin des Jahrzehnts geehrt, womit sie auch hochoffiziell zur First Lady Of Rock gekürt wurde.
ihr Manager und Producer Peter Asher bekam den Preis als erfolgreichster Produzent, und auch die Eagles erhielten diese bedeutende Auszeichnung als erfolgreichste Band des Jahrzehnts. Damit war die Dominanz der Westcoast Mafia in den 70er Jahren fest zementiert.
Eines der Top-Themen für die amerikanische Presse war auf jeden Fall Linda´s Beziehung zum damaligen kalifornischen Gouverneur Jerry Bown, der sich Hoffnungen machte, Nachfolger des damaligen US Präsidenten Jimmy Carter zu werden, und der von sich selbst behauptete, er sei die rechte und die linke Hand Jimmy Carter´s. Linda und viele große Westcoast-Legenden unterstützten Jerry Brown nach besten Kräften.Um Gelder für seinen Wahlkampf zu sammeln, spielte Linda in ausverkauften Stadien zwei Konzerte zusammen mit Chicago und den Eagles.
Auf ihren Reisen mit Jerry Brown war Linda von Journalisten ähnlich umzingelt wie später Lady Diana in den achtziger Jahren.
Ihre Liaison mit dem Gouverneur, den sie 1971 in ihrem Stammlokal Lucy Casada's El Adobe Café in Los Angeles kennenlernte, war lange das Top Thema für die Klatschpresse und selbst die deutsche Teeniezeitung BRAVO berichtete relativ häufig darüber.
Als Jerry Brown damals von Journalisten gefragt wurde, ob er vorhätte, Linda zu heiraten,
antwortete er, dies könne ihn das Weisse Haus kosten.
Diese lieblose Einstellung hat ihm aber auch nicht weitergeholfen, denn er konnte sich parteiintern nicht durchsetzen und so trat Senator Edward M. Kennedy gegen Jimmy Carter um die Präsidentschaftsnominierung an. Aber auch Linda´s Antwort auf die Frage, ob sie denn vorhätte, den kalifornischen Gouverneur zu heiraten, war nicht ohne Brisanz.
Sie sagte den Reportern sinngemäß u.a., das das problematisch sei, denn dann könne sie nicht mehr so ohne weiteres losfahren, wenn Mick Jagger anruft, wenn dieser gerade mit dem Flugzeug in Los Angeles gelandet ist und sich mit ihr treffen möchte,
eine Äusserung, die Spielraum gab für Interpretationen, wobei man bei Mick Jagger und der attraktiven Linda wohl nicht viel hineininterpetieren musste. Der Stones-Boss machte auch nie einen Hehl daraus,
Fan von Linda zu sein, er liess sich sogar öffentlich ablichten mit einem T-Shirt mit der Aufschrift Linda Ronstadt, Queen of Los Angeles.
 Ab 1980 wechselte Linda die Fächer nach Belieben.Bereits im Jahre 1978 war im amerikanischen Rolling Stone zu lesen,
das Linda die New Wave Musik sehr mag, wörtlich sagte sie:"Ich mag die Band Television und vor allem liebe ich die Musik von Elvis Costello, seine Musik trifft mich ins Herz."
Schon 1978 brachte Linda auf ihrem Album Living in the USA mit dem Titel "Alison" eine Costello Komposition als balladeske Westcoastversion.
Mit dem Album Mad Love, das man als Linda´s letztes 70er und erstes 80er Album bezeichnen kann, da es noch 1979 eingespielt und 1980 veröffentlicht wurde, griff Linda das Thema New Wave jedoch erst so richtig auf.
Schon Linda´s verändertes Aussehen und auch das Plattencover machten deutlich, wohin die musikalische Reise gehen sollte.
Trotz der New Wave Einflüsse ist sich Linda treu geblieben, die Art und Weise, wie sie Westcoast und New Wave miteinander verwob,
war von genauso qualitativer Güte wie ihre legendären CountryRock-Alben.
Mad Love war New Wave und dennoch unverkennbar Ronstadt.
Elvis Costello steuerte 3 Kompositionen bei, genauso wie Cretones Gitarrist Mark Goldenberg, der als Gastmusiker und Harmony Vocalist für frischen Wind in Linda´s Band sorgte.
Ein Teil ihrer legendären 70er Jahre Bandmusiker war natürlich auch hier mit von der Partie.
Gitarrist Waddy Wachtel, Multi-Instrumental-Genie und Teilzeit-Rückkehrer Andrew Gold, Bassist Kenny Edwards, Pedal Steeler Dan Dugmore, dazu Westcoastlegende Russ Kunkel an den Drums
und erstmals die wunderschöne Nicolette Larson, die vom amerikanischen Rolling Stone 1978 zur weltbesten Sängerin gekürt wurde und die mit Neil Young´s Lotta Love einen Welthit hatte.
Nicolette sang zusammen mit Mezzosopranistin Rosemary Butler die Harmony und Backing Vocals. Linda Ronstadt ist mit Mad Love damals den richtigen Weg gegangen, ein Album voller Klasse, Frische und Lebendigkeit. Der Einfluss von Elvis Costello und Mark Goldenberg war eine große Bereicherung für Linda´s musikalische Weiterentwicklung.
Ein Highlight aus Mad Love ist sicher das coole Girls Talk, geschrieben von Elvis Costello.
Unter der bewährten Produzentenregie von Peter Asher wurde Mad Love ein großer Erfolg und erhielt,
wie die Vorgängeralben, Gold und Platin und stürmte die Billboard Charts bis auf #3.
Linda beendete trotz der Konkurrenz solcher absoluten Größen wie beispielsweise Debbie Harry, Ann & Nancy Wilson, Carole King & Carly Simon die 70er Jahre als erfolgreichste Rocksängerin und startete hoffnungsvoll in eine neues Jahrzehnt.
An der damals 34jährigen bemerkte man keinerlei Verschleisserscheinungen, Linda wirkte aktiver und fitter als jemals zuvor und sie kündigte weitere künstlerische Veränderungen an.

Der Beginn der 80er Jahre brachte für Linda das gleiche Arbeitspensum wie schon die 70er Jahre,
sie produzierte nicht nur das Album Mad Love und ging auf Tournee, sie sang auch mit John David Souther für den Film
Urban Cowboy mit John Travolta in der Hauptrolle das Duett
"Hearts against the Wind", ein astreiner Countrysong, mit dem Linda ihre Vielseitigkeit erneut unter Beweis stellte.
Danach heuerte die Westcoastqueen bei den Pirates of Penzance an, natürlich keine echten Piraten, sondern ein Musical von Gilbert & Sullivan unter der Produzentenleitung von Joseph Papp.
Linda übernahm die weibliche Hauptrolle und spielte die Piratenbraut Mabel. Die Rolle des Oberpiraten war bestens besetzt mit Hollywoodstar Kevin Kline. Auch der vor allem in den USA bekannte Rex Smith konnte für das Musical verpflichtet werden.Zunächst spielte das Ensemble im im Delacorte Theatre am New Yorker Central Park., später wechselte die Show dann aber an den Broadway.
The Pirates of Penzance war dort so erfolgreich, das man sich entschloss, das Musical mit Linda Ronstadt und Kevin Kline in den Hauptrollen zu verfilmen.Die Dreharbeiten fanden in England statt und Linda konnte sich ein Jahr lang nicht mehr um ihre Karriere als Rocksängerin kümmern,
aber das schien ihr persönlich nicht soviel auszumachen, denn sie hatte Lust darauf, mal etwas anderes zu machen und sie konnte sich das nach vielen erfolgreichen Jahren durchaus auch leisten.
Ihre ständige Lust, neue Wege zu gehen, half ihr, sich immer weiter zu entwickeln, denn dadurch war sie ja auch gezwungen, weiter an sich zu arbeiten und von anderen zu lernen, anstatt sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen.
Wie es überhaupt dazu kam, das Linda für die Rolle Mabel in The Pirates of Penzance engagiert wurde, erzählt die folgende Geschichte.
Linda verfügte seit jeher über ein gewaltiges künstlerisches Potential, was auch dem New Yorker Autor und Musikkritiker John Rockwell von der New York Times aufgefallen war.
Linda erklärte Rockwell, das sie ihre stimmlichen Fähigkeiten auch gerne ausserhalb der Rockmusik unter Beweis stellen möchte, dabei wolle sie gar nicht im Mittelpunkt stehen, sondern mit Menschen zusammenarbeiten, die den allerhöchsten Qualitätsstandard haben, damit sie von diesen lernen und sich somit weiterentwickeln könne.
Rockwell, der gute Beziehungen hatte, arrangierte daraufhin ein Treffen mit Joe Papp, und der fragte Linda erstmal, ob sie es sich denn vorstellen könne, als Schauspielerin in einem Musical zu agieren und Linda antwortet zuerst: I don´t know.
Es gingen dann einige Monate ins Land, bis sich Produzent Joe Papp und Regisseur Wilford Leach endgültig darauf einigten, die Pirates of Penzance mit Linda zu realisieren.
Joe Papp rief bei Linda an und hatte zuerst den kalifornischen Gouverneur Jerry Brown am Rohr, Jerry rief Linda zu sich ans Telefon und sagte ihr, das die ein Gilbert&Sullivan Musical mit ihr machen wollen. Linda nahm voller Aufregung den Hörer und Joe Papp eröffnete Linda kurz und prägnant, wir machen die Pirates of Penzance.
Linda schnappte sich den nächsten Flieger und traf sich dann mit dem Produzenten. Linda sagte über dieses Treffen, das sie eigentlich überhaupt nicht viktorianisch genug aussah mit ihren kurzen Haaren, die dazu noch mit einem Tupfer Pink versehen waren. Über dieses erste Treffen erzählte sie u.a.:
Man brachte mir einige Lieder bei, die ich Joe Papp vorsang und danach wusste ich, ich würde es bringen
Joe Papp sagte später einem Reporter, das er über alle Massen darüber erstaunt war, das Linda dermassen gut in den hohen Bereichen singen kann.
Woran Linda noch arbeiten musste, war ihr Akzent, der mehr nach Arizona Westernart klang als nach englischer Sprache des 19ten Jahrhunderts, weswegen Kevin Kline jedesmal in Rage geriet, und als es dem großen Schauspieler zuviel wurde, tadelte er Linda bei den Theaterproben mit den Worten: Linda, das hier ist Gilbert & Sullivan, Du kannst nicht sagen "GIT."
Nach einigen Proben jedoch bekam Linda das in den Griff und schon bald hörte man kein Country mehr aus dem Munde der Piratenbraut Mabel, sehr zur Freude von Kevin Kline und Regisseur Wilford Leach.
Linda Ronstadt meinte wörtlich: Ich hatte das gute Gefühl, ich hatte meine Hausaufgaben gemacht und mein Bestes gegeben und dieses Gefühl habe ich nicht immer."
Linda entwickelte sich in der Rolle der Mabel dermassen gut, das sie nach Veröffentlichung der Filmfassung sowohl für den Tony Award als auch für den Golden Globe Award als beste Darstellerin im Fach Comedy/Musical nominiert wurde.
Wenngleich die Verfilmung der Pirates of Penzance 1983 veröffentlicht wurde und Linda 1984 für den Golden Globe nominiert wurde, so fiel die gesamte Produktion des Musicals in einen Zeitraum von 1980 bis 1982.
Nach Beendigung der Dreharbeiten begab sich Linda endlich wieder ins Studio, um das Album Get Closer einzuspielen, und da Abwesenheit vom Geschehen nicht vor dummen Sprüchen schützt, äusserten die ganz schlauen unter den Musikkritikern,
das Linda es wohl nicht schaffen würde, wieder den Anschluss zu bekommen, denn immerhin waren ja schon 2 Jahre ins Land gegangen seit ihrem letzten Rock/Pop-Album Mad Love.
Linda selbst sagte dazu: "Ich kann solange Rock machen , wie ich es verdammt nochmal will"
Alle möglichen Hochkaräter hatte Linda im Studio wieder um sich versammelt als da waren,
Andrew Gold, Lindsey Buckingham, James Taylor, Emmylou Harris, Dolly Parton,
Bill Payne von Little Feat, John David Souther und Waddy Wachtel.
Ein künstlerisches Scheitern war also schonmal ziemlich unmöglich, was also meinten die Kritiker mit Anschluss kriegen?
War es der kommerzielle Gedanke? Wollten einige Neider Linda geschäftlich scheitern sehen, weil man ihr künstlerisch sehr wenig anhaben konnte?
Wenn das der Fall war, hatten Linda´s Gegner sicherlich eine Riesenfreude daran, das Get Closer das erste Linda Ronstadt Album innerhalb von fast 10 Jahren war, das in den USA kein Platin einfuhr, sondern nur Gold, aber wie gesagt, nur in den USA.
Die Verkaufszahlen von Get Closer blieben auf dem amerikanischen Markt sehr knapp unter einer Millionen Einheiten.
Weltweit blieb aber auch Linda´s 82er Album im Multimillionenbereich und war somit ähnlich erfolgreich wie die Vorgängeralben. Linda stellte zudem unter Beweis, das sie nichts von ihrer Klasse und ihrer Unverwechselbarkeit eingebüsst hatte, der Ronstadt Sound blieb der Ronstadt Sound, womit Linda ihre Fans sehr zufriedenstellte. Musikalisch erinnerte Get Closer an die großen Alben der 70er Jahre und Linda brachte eine gute Mixtur aus erdigem CountryRock, wie z.B. bei ihrem Duett mit James Taylor I think it´s gonna work out fine, traumhaften Countryballaden wie The Moon´s A Harsh Mistress & My Blue Tears, letzteren spielte sie zusammen mit Emmylou Harris und Dolly Parton ein, ist also ein echter Trio-Song.Mit den Stücken Lies & Tell him bot Linda auch auf Get Closer wieder mal New Wave Sounds, die Videos dazu liefen sogar häufig im Deutschen Fernsehen, was für schöne Zeiten das doch waren. Selbstverständlich wurde das ganze Album wieder mal meisterhaft in Szene gesetzt von Producer und Manager Peter Asher. Das Get Closer "nur" US-Gold erhielt,
nahm Linda nicht so tragisch, sie würde sich deswegen auch weiterhin nicht verbiegen lassen und nicht auf Trend produzieren.
Linda Ronstadt wusste um ihre Klasse und ihr Potential,
diese Klasse und diese Potential stellte sie 1983 bei einem Konzert anlässlich des amerikanischen Nationalfeiertages einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis
und begeisterte 80.000 Menschen im Giants Stadium nahe New York, wo sie eines ihrer besten Konzertauftritte überhaupt absolvierte.
Linda und ihre Band spielten ein Monster-Set, schon ihr Opener Tumbling Dice riss das Publikum sofort mit, und von ihrer Live-Darbietung von Blowing Away berichten viele, es sei die beste Version dieses Songs, die sie jemals gehört hätten.
Nach Tourabschluss nahm sich Linda eines musikalischen Themas an, das so ganz und gar nicht dem Ronstadt Sound entsprach.

Wie kam Linda Ronstadt eigentlich zur Jazzmusik? Schenkt man ihren eigenen Worten Glauben,
so war Mick Jagger der Stein des Anstosses. Ein Interview, das der Journalist Steve Bloom mit Linda führte, gibt Aufschluss darüber:
Steve: Ich habe gehört, du wärest erst durch Mick Jagger auf Jazzmusik aufmerksam geworden, stimmt das?
Linda: Ja, in der Tat, es wäre mir niemals im Traum eingefallen, Jazztype Standards zu singen,
bis eines Abends Mick Jagger vorbeikam und mir Platten von Charlie Parker und Ben Webster vorspielte. Wir saßen da die ganze Nacht und hörten uns die Musik an.
Ich sagte zu Mick....uuuuhh, das hört sich echt gut an.
Er gab mir die Platten und ich nahm sie mit auf meine Tourneen. Am Ende meiner Shows spielte ich immer etwas daraus. Ich war selbst immer wie hypnotisiert davon.
Zusätzlich zum Jagger´schen Einfluss geschah es, das Linda von dem Produzenten Jerry Wexler eine ganz spezielle Offerte erhielt, noch während sie mit den Pirates of Penzance am Broadway gastierte. Wexler lud Linda in sein Haus auf Long Island ein und
spielte ihr Songs von Ella Fitzgerald, Sarah Vaughan und anderen prominenten Stimmen der großen amerikanischen Jazzepoche vor und sagte zu Linda,
das sie das genausogut singen könne. Linda verneinte dies jedoch und antwortete in ihrer typischen Bescheidenheit, das man dafür richtig gut sein müsse.Doch dieser Sound wirkte so stark auf Linda, das sie sich dem nicht mehr entziehen konnte.Der Gedanke daran, diese wunderbare Musik neu aufzunehmen, versetzte Linda in eine solche Begeisterung, das sie den Entschluss fasste,
dieses Projekt mit Jerry Wexler zu realisieren.
Nach Abschluss der Aufnahmen zu Keeping Out Of Mischief hörte sich Linda das Material nochmal komplett durch und entschied sich zu Wexler´s Überraschung jedoch gegen eine Veröffentlichung, denn das ganze klang ihr dann doch zu sehr nach Popmusik, Linda aber wollte diese Musik der 30er bis 50er Jahre im Originalarrangement vortragen.
In einem weiteren Interview mit dem berühmten Time Magazine erzählte Linda:
"Die Songs waren nicht gut, die Art und Weise, wie sie aufgenommen wurden, war nicht gut, die Art und Weise, wie ich sie eingesungen habe,
war nicht gut, die Songs What´s New und Goodbye konnte ich im Studio überhaupt nicht singen, aber unter der Dusche, da konnte ich sie singen und mir war klar, das mit den Arrangements was nicht stimmte."
Linda´s eigentlicher Produzent und Manager Peter Asher stand diesem Projekt von Anfang an skeptisch gegenüber und Linda musste wohl sehr viel Überzeugungsarbeit leisten,
damit Asher das Ruder wieder übernahm, aber Linda erklärte ihm eindringlich, wie leidenschaftlich gerne sie diese Musik neu interpretieren wolle.
So legte Peter Asher, der Linda ja in -u. auswendig kennt, seine Skepsis ab und liess sich von Linda´s Leidenschaft anstecken, beide sassen wieder in einem Boot und nahmen Kontakt auf mit Nelson Riddle, der zu den meistverehrten
und vielseitigsten Komponisten und Arrangeure der Nachkriegszeit zählt, der schon mit solchen Größen wie Nat King Cole, Judy Garland und Ella Fitzgerald arbeitete und dessen bekannteste Phase sicherlich seine Zusammenarbeit mit dem großen Entertainer Frank Sinatra auf dem Capitol-Label war.
Für das Fernsehen komponierte Riddle u.a. Musiken zu „Batman“ (1966), „Solo für O.N.K.E.L. - (The Man from U.N.C.L.E., 1964) "Tarzan" (1966), „Hawk“ (1966), „Barnaby Jones“ (1973) oder auch „Harper Valley P.T.A.“ (1981).
Linda musste erneut einem sehr hohen künstlerischen Qualitätsstandard gerecht werden, und sie wusste, vor einem Nelson Riddle durfte sie nicht versagen,
denn eine zweite Chance auf eine Zusammenarbeit mit ihm hätte es dann nicht mehr gegeben.
Linda Ronstadt erzählte in einem Interview: "ich denke immer, ich bin als Sängerin nicht gut genug und ich befürchtete, das Nelson Riddle mit mir nichts zu tun haben wolle und das er sagen würde "Linda wer?" oder "ich verschwende meine Zeit doch nicht mit einer Rocksängerin."
Doch Linda´s Befürchtungen waren völlig grundlos, sie gab dem großen Orchesterchef einige Proben ihres gesanglichen Könnens ab, danach gab es für Nelson Riddle keinen Zweifel mehr und er war völlig überzeugt von ihr, und nicht nur das, er war völlig hingerissen von Linda, und das sollte schon was heissen bei einem so bedeutenden Arrangeur und Komponisten wie Nelson Riddle.
So entstanden von Linda Ronstadt und dem Nelson Riddle Orchestra zwischen 1983 und 1986 die Alben What´s new, Lush Life & For Sentimental Reasons, für die sie von der internationalen Musikpresse die allerbesten Kritiken bekam.
Obwohl viele eingefleischte Ronstadt Fans nicht gerade begeistert waren über Linda´s neue musikalische Ambitionen in diesen Jahren, tat diess ihrer internationalen Popularität und ihrem Erfolg keinen Abbruch, im Gegenteil, trotz des unkommerziellen Charakters dieser Musik hatte Linda damit den gleichen gigantischen Erfolg wie schon in den 70er Jahren mit ihren legendären Westcoastalben.
Vor allem aber in künstlerischer Hinsicht hatte Linda eine gewaltige Entwicklung gemacht, und aus dem All American Girl wurde eine wirklich große Sängerin. Während in den achtziger Jahren in den sehr einseitig orientierten deutschen Medien der Eindruck entstand, die weibliche Musikwelt bestünde lediglich aus Tina Turner und Madonna, bewies Linda Ronstadt auf bemerkenswerte Weise,
das man auch mit völlig unkommerzieller Musik von hohem künstlerischen Anspruch Millionen von Tonträgern verkaufen kann.Leider wurde Linda´s große Karriere in Deutschland mehr und mehr totgeschwiegen und wenn man hierzulande in den Medien von den achtziger Jahren spricht, dann wird Linda Ronstadt einfach übergangen, obwohl sie auch in diesem Jahrzehnt zu den erfolgreichsten und besten Gesangskünstlerinnen zählte und sie viel mehr Tonträger verkaufte als beispielsweise Cher oder Tina Turner.
In den USA hingegen kannte jedes Kind Linda Ronstadt, auch durch ihre legendären Auftritte in der Muppetshow und in der amerikanischen Sesamstrasse.
Das Album For Sentimental Reasons wurde zum musikalischen Vermächtnis des großen Nelson Riddle, der kurz vor Beendigung der Aufnahmen verstarb. Seinen letzten Triumph konnte er allerdings in Form von 2 Grammy Awards für What´s new und Lush Life zusammen mit Linda und seinem Orchester feiern.
Es wurde dann noch eine Compilation der Nelson Riddle Sessions veröffentlicht mit dem Titel Round Midnight.
" Ich denke, ich kann das unmöglich bringen, warum mache ich das überhaupt , ich gehe besser nachhause."
Soweit Originalton Linda Ronstadt, nachzulesen im amerikanischen Magazin Newsweek.
Die Rede ist von Linda´s spektaktulärem Ausflug in die Welt der Oper.
Ihr insgeheim langgehegter Wunschtraum, in Puccini´s Oper La Bohemé mitzuwirken, war Wirklichkeit geworden.
Das ganze fand statt unter der Leitung von Joseph Papp, mit dem sie zuvor schon bei den Pirates of Penzance zusammenarbeitete.
Schon damals war Linda sehr angespannt und nervös, weil sie völliges Neuland betrat ausserhalb der Rockmusik, doch hier, kurz vor ihrem ersten Auftritt auf einer Opernbühne
war sie nicht mehr nur nervös, nein, es war viel schlimmer, sie starb fast vor Lampenfieber, aber da musste sie nun durch, denn es gab kein Zurück mehr.
Doch drehen wir die Zeit ein wenig zurück.
Linda besuchte, um sich auf die Rolle der Mimi perfekt vorzubereiten, eine Berlitz Sprachenschule und belegte extra einen Italienischkurs, denn für ihr professionelles Selbstverständnis war es nur logisch, das sie den Text einer italienischen
Oper nicht nur heruntersang, sondern das sie das ganze auch verstehen konnte, ausserdem sollte ihr am Ende keiner nachsagen können, sie wäre in dieser Rolle nicht glaubwürdig genug.
Abends hörte sich Linda, so oft es nur ging, die La Bohemé Version der 50er Jahre an, in der Jussi Bjoerling als Rodolfo und Victoria de Los Angeles
als Mimi agierten, und Linda studierte das Opernstück bis ins letzte Detail.Sie probte zuhause, als stünde sie auf der Bühne und lernte ihre Rolle dadurch so perfekt, das es ihr schliesslich gelang. der Mimi, die sie verkörpern sollte,
spielerisch einen eigenen Charakter zu verleihen.Was Linda in der Vorbereitung noch Probleme bereitete, war die richtige Tonlage, in der sie grösstenteils zu singen hatte. Linda kann sehr hoch singen und auch das hohe C ist für sie nicht das eigentliche Problem, da sie tagtäglich ihre Stimme trainiert, aber es ist nicht gerade einfach, übergangslos von den ganz tiefen bis zu den ganz hohen Tonlagen zu gelangen,
und so wird dieser mittlere Bereich auch als Devils Canyon bezeichnet.
Linda wollte sich nicht selbst beschwindeln, indem sie anstatt aus der Kopfstimme aus der Brust singt, doch der große Tenor Placido Domingo,
der Linda in der Vorbereitung der Aufführung zuhause besuchte, beruhigte sie und meinte, das dies keine Schwindelei sei,
sondern das dies recht viele Opernkünstler machen. Und trotz der intensiven Vorbereitung, der harten Arbeit, den vielen Proben und der Zuversicht von Placido Domingo
stand Linda nun völlig aufgeregt hinter der Bühne und starb tausend Tode wegen des Lampenfiebers.
Aber genau dieses Lampenfieber schärfte all ihre Sinne, sie betrat die Bühne und meisterte ihre Aufgabe würdig und mit Bravour. In den Beurteilungen und Kritiken stand zu lesen,
das Linda´s Verkörperung der Mimi beeindruckend würdevoll und sinnlich zugleich gewesen sei, wie man es nicht oft in den großen Opernhäusern erlebt.

1987
war es endlich soweit, Linda Ronstadt, Emmylou Harris und Dolly
Parton schafften es endlich, ein langgehegtes Projekt zu realisieren
und ein gemeinsames Album mit vorwiegend traditioneller Countrymusic
zu veröffentlichen.Schon 1975 nahmen die drei Grazien mit dem
großen Neil Young für das Christmas Album von Emmylou Harris den
Titel Light of the Stable auf und sangen ein
zweites mal im gleichen Jahr als Trio live in Dolly
Parton´s TV Show.Die dritte Zusammenarbeit von Linda, Emmylou
und Dolly ereignete sich dann wiederum auf einem Emmylou Harris
Album, für Emmylou´s Album Blue Kentucky
Girl spielten sie den Country-Klassiker Even
Cowgirls get the Blues ein. Damals hielt sich in der
amerikanischen Musikszene hartnäckig das Gerücht, ein gemeinsames
Album von Linda, Emmylou & Dolly stünde kurz vor seiner
Fertigstellung. Mit dieser Annahme lagen viele Fans und Journalisten
gleichermassen daneben.Wie so oft, war es das führende
amerikanische Fachblatt Rolling Stone, das mit
seinem Spitzenjournalist Peter Herbst der Sache auf den Grund ging.
Peter Herbst führte damals ein Interview mit Linda Ronstadt und
förderte so einige interessante Statements von Linda zutage, so
erzählte sie damals:
"Emmy und Dolly riefen
mich an, als ich gerade auf Tour war, sie sagten, lass uns das Album
machen, wir haben doch schon so oft und solange darüber gesprochen.
Mein Produzent Peter Asher aber meinte, das dies zu diesem Zeitpunkt
nicht gerade das Beste für mich wäre, aber er würde mir keine Steine
in den Weg legen.Wir nahmen dann gemeinsam ein paar Sachen auf,
aber uns standen nur 10 Tage zur Verfügung, und das war viel zu
wenig.Es hätte auch nichts genutzt, wenn Jesus oder Buddha das
Album produziert hätten. Man kann ein solches Album unmöglich in 10
Tagen aufnehmen." Ähnlich skeptisch
äusserte sich auch Emmylou Harris, sie sagte: "Die Aufnahmen waren eher rein experimentell, um zu
sehen, wie so ein gemeinsames Album überhaupt aussehen könnte. Doch
die Presse hat das damals alles viel zu hochgespielt.Die Erwartungen
vieler Leute steigerten sich ins lächerliche und niemand liess uns
mehr in Ruhe arbeiten." So dauerte es noch
10 Jahre, bis die drei es schafften, ihre Termine so zu
koordinieren, das sie genügend Zeit und Ruhe hatten, um das erste
Trio Album zu realisieren.Als dieses langerwartete Album dann
endlich veröffentlicht wurde, war die Begeisterung vor allem in den
USA ausserordentlich groß und griff auch auf Musikjournalisten und
Kritiker über, die sich allesamt in überschwenglichen Lobeshymnen
äusserten und ausnahmsweise nicht ein einziges Haar in der Suppe
fanden, was wirklich sehr bemerkenswert ist, wenn man bedenkt, wer
schon alles von Musikkritikern und Fachjournalisten trotz guter
Arbeit verrissen wurde. Linda Ronstadt, Emmylou Harris & Dolly
Parton produzierten damals gegen alle Trends ein Album, mit dem sie
die traditionellen Elemente der Countrymusic in den Vordergrund
stellten und landeten sehr wahrscheinlich gerade deswegen auf Rang 1
der amerikanischen Country Album Charts und auf Rang 6 der Billboard
Album Charts.Für das Trio stand grundsätzlich die Musik im
Vordergrund, die drei Sängerinnen konkurrierten nicht miteinander,
ihr Streben war darauf ausgerichtet, ihre musikalischen
Vorstellungen miteinander zu verschmelzen und auf diesem Wege sich
selbst und ihren Fans einen langgehegten Wunschtraum zu
erfüllen.Die ausgekoppelten Singles hatten übrigens den gleichen
Erfolg wie das gesamte Album und wurden in den USA und Kanada zu Top
10 Hits.Die Phil Spector Komposition To know
him mit Emmylou Harris als Lead Vocalistin erreichte sogar
Rang 1 in den amerikanischen Country Single Charts.Erwähnenswert
in diesem Zusammenhang ist natürlich auch Linda Ronstadt´s damalige
Beziehung zu Star Wars Produzent und Regisseur George
Lucas.Erwähnenswert deswegen, weil George Lucas aus
Liebe zu Linda das Video zur Nr. 1 Hitsingle To know
him quasi im Nulltarif abdrehte.Die Dreharbeiten zu
diesem originellen Videoclip, den man durchaus als kleines Kunstwerk
bezeichnen kann, fanden übrigens in Linda´s Wohnzimmer
statt.
Ihren mexikanischen Wurzeln wurde Linda gerecht, als sie sich anschickte, ihr erstes Album nur mit echten Canciones aufzunehmen.
Eine Schlüsselrolle bei den Vorbereitungen zu Canciones De Mi Padre nahm der mexikanische Starproduzent Ruben Fuentes ein.
Wie Linda Ronstadt und Ruben Fuentes aufeinandertrafen, um Linda´s erstes mexikanisches Album zu realisieren, erzählte Linda dem US-Magazin American Way in bewegenden Worten.
Ruben Fuentes kannte Linda bis zu diesem Zeitpunkt kaum, und es muss deutlich herausgestellt werden, das es Linda Ronstadt und Peter Asher waren, die unbedingt die Zusammenarbeit mit Fuentes wollten, denn die hatten ihn nötig und nicht umgekehrt.
Ruben Fuentes war und ist eine lebende Legende in Mexiko, und er stand in seinem hohen künstlerischen Anspruch einem Nelson Riddle in nichts nach.
Die Entstehungsgeschichte zu Linda´s erstem mexikanischen Album, Canciones De Mi Padre,
beginnt in einem Schlafzimmer voller Glitzerzeug und Papierschnipseln in Linda´s Haus in Malibu Beach im Jahre 1984.
Linda lag damals mit einer schweren Grippe und einer schmerzhaften Rückenverletzung darnieder.
Nur wenige Tage vorher war sie noch Stargast beim alljährlich stattfindenden Mariachi Festival in ihrer Geburtsstadt Tucson/Arizona, wo sie und Ruben Fuentes sich zum allererstenmal begegneten.
Wie die ganze Angelegenheit über die Bühne ging, erzählte Linda wie folgt:
"Die Leute, die jedes Jahr das Mariachi Festival auf die Beine stellen, riefen damals meinen Vater an und fragten ihn, ob er mich zu einem Auftritt überreden könne.
Als mein Dad mich daraufhin ansprach, sagte ich zu ihm, klar trete ich dort auf, da kannst Du aber Gift drauf nehmen. Wir wussten auch, das der große mexikanische Produzent Ruben Fuentes dem Festival beiwohnen würde, und das war schon ein Grund mehr für meine Zusage, denn ihn wollte ich unbedingt treffen. Endlich konnte ich meinen Traum wahrmachen, einmal mit einer echten Mariachi-Band auf der Bühne zu stehen. Ich dachte, möglicherweise ergibt sich auch die Chance, mit Ruben Fuentes zu sprechen und ihn für ein gemeinsames Projekt zu gewinnen. Natürlich war ich sehr nervös, denn Ruben würde meinen Auftritt ja zwangsläufig mitbekommen und beurteilen. Zu diesem Zeitpunkt kannte Ruben Fuentes mich überhaupt nicht und er wusste auch nicht, was ihn erwarten würde.
Mein Dad half mir, als das Festival begann. Vor meinem Auftritt ging er auf Ruben Fuentes zu und sprach ihn auf spanisch an.
Er sagte zu ihm, er solle doch Erbarmen mit mir haben, weil ich hier zum allererstenmal mexikanische Canciones vor einem größeren Publikum singen werde, und das mein Spanisch nicht gerade perfekt sei und ich noch viel zu lernen habe.
Ich ging also auf die Bühne mit dem allergrößten Lampenfieber und war zu Tode erschrocken,
als ich dort stand, also schleifte ich meinen Dad mit auf die Bühne, denn wenn ich mich blamieren würde, hätte ich mich wenigstens nicht alleine blamiert. Mein Vater sang dann einfach einige Sachen und dem Publikum gefiel es sehr,
danach lief es auch für mich wie geschmiert und alles war gut. So kam ich zu dem Schluß, okay, jetzt bin ich bereit für ein ganzes Album."
Dieses Vorhaben jedoch musste Linda erstmal auf Eis legen, denn 2 Tage nach dem Tucson Mariachi Festival zog sie sich die bereits erwähnte Rückenverletzung zu, was uns wieder in Linda´s Schlafzimmer voller Glitzerzeug und Papierschnipsel führt.
Doch lassen wir Linda an dieser Stelle weitererzählen:
"Leider traf ich Ruben Fuentes wegen meiner Verletzung erst viel später wieder, und die Umstände unseres Treffens waren doch eher sehr komisch.
Ich konnte mich anfangs kaum bewegen und laufen konnte ich überhaupt nicht.
Doch ein kleines Kind aus der Nachbarschaft leistete mir damals oft Gesellschaft. Das Mädchen war höchstens 4 Jahre alt, und ständig war sie um mich herum.
Sie spielte mit mir und brachte mir ständig irgendwelche Geschenke. Sie war so lieb und half mir auch, wo sie nur konnte. Allerdings sorgte sie auch für unglaubliche Mengen an Glitzerzeug und Papierschnipseln überall in meiner Wohnung, in meinem Bett, in meinen Kleidern und in meinen Haaren.
Ganz überraschend rief dann plötzlich Ruben Fuentes an, überraschend deswegen, weil ich ihn aufgrund meines Gesundheitszustandes schon fast vergessen hatte, und ich sagte zu ihm 'uuh, Du bist den ganzen weiten Weg von Mexico City nach Los Angeles geflogen, nur um mit mir zu sprechen.' Leider war sein Englisch nicht sehr gut und mein Spanisch war auch noch nicht ausreichend, aber Ruben hatte einen Dolmetscher dabei, und so verabredeten wir uns im El Adobe Restaurant in Los Angeles. Seit ich in den Sechziger Jahren Tucson verließ, um in L.A. mein Glück zu machen, habe ich ausschliesslich nur im El Adobe gegessen.
Ich gehöre dort praktisch schon zur Familie, und Patricia Casado, der das Restaurant gehört,
ist eine meiner besten Freundinnen. Patricia kam damals mit ihrer Mutter ins Lokal, um mir beim Übersetzen zu helfen. So sassen wir dann da und warteten. Ruben Fuentes kam herein und sah uns an,
und was er sah, waren 2 Frauen, dazu eine offensichtlich Verrückte mit haufenweise Glitzerzeug und Papierschnipseln im Haar und dazu ein kleines 4jähriges Mädchen.
Das war schon eine sehr komische Situation.
Glücklicherweise fanden sich Fuentes und Linda auf Anhieb sehr symphatisch,
und so wie Linda´s Hauptproduzent Peter Asher war auch Fuentes ein perfekter Gentleman,
und darauf legte Linda schon immer sehr großen Wert. Der mexikanische Produzent hatte sich damals eigentlich schon zur Ruhe gesetzt, aber er sagte zu Linda: "Für Dich werde ich eine Ausnahme machen, denn ich habe das Gefühl, Du liebst diese Musik von ganzem Herzen."
So bekam Linda von Fuentes den Auftrag, erst einmal eine Liste von Liedern zusammenzustellen,
die sie gerne vertonen würde. Als Linda ihm später diese Liste übergab, staunte Ruben Fuentes nicht schlecht, denn all diese Lieder waren schon Jahrzehnte alt und wurden in Mexiko schon gesungen,
als es dort noch kein Radio gab. Der altehrwürdige Produzent wunderte sich, woher Linda all diese Songs kannte. Linda erzählte ihm, das sie sie von ihrem Vater hat und das sie damit aufgewachsen ist.
Das gab dann auch den Ausschlag für den Titel ihres ersten mexikanischen Albums, denn -
Canciones De Mi Padre -, bedeutet übersetzt "Lieder meines Vaters."
Linda sagte damals: "Ich habe all diese Lieder von meinem Vater gelernt, als ich noch ein Kind war.
Es sind ausserdem die einzigen mexikanischen Canciones, die ich kenne, und die liebe ich sehr.
Ruben meinte zu mir, das diese Songs sehr schwer vorzutragen sind, und er fragte mich, ob ich sie überhaupt schonmal gesungen habe.
Ich antwortete ihm, das ich diese Sachen immer nur zusammen mit meinem Vater und meinen Geschwistern gesungen hätte, aber noch niemals als Leadstimme.
Nachdem wir unser Gespräch beendet hatten, fuhr ich sofort wieder nachhause, um mich auszukurieren. Ruben gab mir noch einige Hausaufgaben mit auf den Weg. So hatte ich die richtigen Tonlagen zu üben.
Diese Canciones mussten teilweise in Tonlagen gesungen werden,
wie ich sie so noch niemals vorher gesungen habe. Ruben skizzierte mir dazu noch eine Tonleiter.
Nachdem Ruben nach Mexiko zurückgekehrt war , schrieb er die Arrangements, nahm sie auf Kassette auf und schickte sie mir umgehend zu. "
Während Linda zuhause in ihrer Villa in Malibu Beach weiter ihre Erkrankung auskurierte, bekam sie ausserdem noch Besuch von Weltstar Harry Belafonte, der den Auftrag hatte, Linda für das Benefizprojekt USA FOR AFRICA / WE ARE THE WORLD zu gewinnen.
Der große Belafonte hatte für sie schon den unterschriftsreifen Vertrag in der Tasche, doch Linda sagte die Teilnahme daran ab, weil sie einfach zu krank war und weil sie Kraft sammeln musste für ihr erstes mexikanisches Album.
Der Gesangspart, für den Linda bei We Are The World eingeplant war, übernahm dann Dionne Warwick.
Nachdem Linda sich etwas erholt hatte, probte sie, soweit es ihr möglich war, die richtige Tonart und arbeitete an der Verbesserung ihrer Spanischkenntnisse.
Zu diesem Zeitpunkt hätte Linda wohl jeden für verrückt erklärt, der behauptet hätte, das sie auch auf diesem musikalischen Gebiet Multimillionenerfolge einfahren und Grammy's gewinnen würde.
Nach vielen Vorbereitungen einer halben Ewigkeit ging es dann endlich ins Studio,
wo sich unter der Produzentenregie von Ruben Fuentes und Peter Asher Linda Ronstadt und die El Mariachi Vargas de Tecalitlan, eine original mexikanische Folkloreformation, versammelten.
Mit 6 Geigen, 2 Trompeten, einer Harfe, Gitarren und hervorragenden Background Vocals sorgten diese Musiker für erstklassigen und originalgetreuen Mariachi-Sound.
So wurde Linda's erstes rein mexikanisches Album völlig zu Recht ein Multimillionenseller und erhielt einen Grammy Award.
Die Tournee zum Album geriet zu einem Triumphzug.
Wieder einmal wurde Linda sowohl von der amerikanischen als auch von der internationalen Presse völlig zu Recht hochgelobt.
Nur die deutschen Medien blieben, was Linda Ronstadt betraf, taubstumm und blind.
Linda äusserte sich über die Darstellung von Musik in den Medien und die damit verbundene öffentliche Wahrnehmung wie folgt:
"Das Publikum neigt zu der Annahme, man sei von der Bildfläche verschwunden, wenn es jemanden eine Zeit lang nicht zu Gesicht bekommt,
weil man etwas anderes macht als kommerzielle Musik.
Es ging mir auch nie darum, Musik zu machen, um möglichst reich zu werden. Ich bin Sängerin
geworden, weil ich es liebe zu singen und es immer das war, was ich
tun wollte. Mein Ziel war es, mit den besten Musikern
zusammenzuarbeiten und die beste Sängerin zu werden, nicht die beste
der Welt, aber ich wollte immer alles tun, um so gut wie nur möglich
zu werden um das beste zu bieten, was ich nur bieten kann."
 Auf ihrer Tournee zum Album Canciones De Mi Padre
blieb Linda diesem Grundsatz treu und stellte unter Beweis,
das sie sich zu einer der weltweist besten Stimmen und zur vielfältigsten Sängerin im Musikbusiness entwickelt hatte.
Im Vorfeld eines ihrer Canciones De Mi Padre-Konzerte im San Antonio
Municipal Auditorium schrieb das Magazin San Antonio Light, die
Stadt ist befallen vom Ronstadt-Fieber.
Während sich Linda kurz vor ihrem Auftritt noch in ihrer Garderobe auf ihren Auftritt vorbereitete, hatten sich die Fans längst schon von ihren Sitzen erhoben und riefen laut immer
wieder: "Li-i-i-indaaaa" und
klatschten dabei rythmisch in die Hände. Unterdessen litt Linda, wie
es für sie typisch ist, unter starkem Lampenfieber. Ein Wesenszug,
der sie allerdings noch symphatischer macht. Ihre Nervosität vor
Konzerten brachte Linda öfter mit den Worten zum Ausdruck:
"There are people watching, i want them to go away"
(Da sind ja Leute, die mir zusehen, ich wünschte, sie würden wieder nach Hause gehen)
Doch Lampenfieber hin oder her, Linda betrat die Bühne und
schritt souverän zum Mikro, intonierte mit dem langgezogenen Ay-y--y den Song Los Laureles und zog damit das Publikum von der ersten
Sekunde an in ihren Bann. das zweistündige Konzert geriet zu einem
wahrhaft großen Ereignis.
Mit ihrer gewaltigen Stimme jagte sie allen einen Schauer über den Rücken und alle waren sie ergriffen von dem Geschenk, das Linda ihnen mit ihrer Darbietung machte. als sie zum
Schluss ihr La Cigarra zum Besten gab, geriet das Publikum völlig
aus dem Häuschen. Mit frenetischem Jubel und Standing Ovations
feierten sie ihre Linda. Es war schier unglaublich, hier stand dieselbe Sängerin, die einstmals sang "I think i´m gonna love you for a long long time."
Danny Valdez, Linda´s Duettpartner an diesem Abend, übereichte ihr am Ende der Show eine langstielige Rose zum Zeichen tiefster Verehrung, und Linda bedanke sich beim Publikum, indem sie diese Rose symbolisch an ihre Fans weitergab.
Standing Ovations brachten Linda für zwei weitere Zugaben zurück auf die Bühne und beim allerletzten Song Volver, Volver, sangen alle mit.
Als der letzte Ton verklungen war und es still wurde,
erlebten alle Anwesenden einen Augenblick voller Magie, wie man ihn nur noch aus den Shows von David Copperfield oder Siegfried & Roy her kannte.
Es schien, als hielte Linda nach irgendetwas Ausschau, dann streckte sie langsam ihren Zeigefinger wie zu einem kleinen Ast in Höhe ihrer Stirn aus,
und dann geschah es, mitten aus der Dunkelheit des Nachthimmels kam eine weiße Taube herangeflogen und landete auf Linda´s Zeigefinger.
Sodann öffnete sie ihre andere Hand und eine zweite Taube kam herangeflogen und nahm ebenfalls Platz bei Linda.
Allen erschien dies wie ein Wunder, denn unter den Tausenden von Zuschauern fanden die beiden Vögel in Linda Ronstadt ihr Ziel.
es war ein Moment, der alle tief berührte und ein würdiges Ende eines großen Konzertes.
1991 und 1992 folgten mit Mas Canciones und Frenesi zwei weitere Alben mit mexikanischen Canciones. Für alle drei Alben erhielt Linda jeweils einen Grammy Award in den Kategorien Best Mexican/American Album und Best Tropical Latin Album.
Und da Linda´s Auflüge in die welt mexikanischer Canciones so überaus erfolgreich verliefen, veröffentlichte das Warner Label Elektra im Jahre 2004 die CD Compilation - Mi Jardin Azul: Las Canciones Favoritas - eine Sammlung von Linda´s mexikanischen Songs aus den Jahren 1976 - 1993 sowie eine DVD mit dem Titel A Romantic Evening in Old Mexico.
Peter Asher sagte einmal über Linda, das sie sich nicht gerne festlegt, sich nicht gerne für länger irgendwo niederlässt, denn das sei ihre Natur.
Bezüglich ihrer Karriere und ihrem Liebesleben war diese Bemerkung durchaus zutreffend. Aber wer hätte gedacht, das Linda auch einmal von Malibu Beach weggehen würde, das sie Los Angeles verlassen würde, die Stadt, die sie sowohl persönlich als auch musikalisch so sehr prägte. Malibu Beach ohne Linda Ronstadt, die Eagles Westcoast Music Mafia ohne Linda Ronstadt, der Troubadour ohne Linda Ronstadt, undenkbar, das war wie amerikanische Tennismeisterschaften ohne Jimmy Connors, wie Brit-Pop ohne Elton John, wie der rosarote Panther ohne Peter Sellers oder Columbo ohne Peter Falk. Doch nach Mitte der achtziger Jahre verliess Linda tatsächlich ihre Wahlheimat Los Angeles, liess das romantische und inspirierende Malibu Beach hinter sich und zog um nach San Franzisco, blieb aber wenigstens geographisch an der amerikanischen Westküste.
Was jedoch viele Fans von Linda Ronstadt im In-u. Ausland schmerzlich vermissten, war Linda´s musikalische Heimkehr an die Westküste.
Im Jahre 1989 hatte dieses Warten dann ein Ende. Von März bis August 1989 wurde in den berühmten Skywalker Studios von George Lucas, dem großen Herrn und Meister des Star Wars Imperiums, mit wahrlich gigantischem Aufwand das Westcoast-Album Cry Like A Rainstorm/Howl Like The Wind eingespielt.
Bei dieser Produktion wirkte neben einer Schar exzellenter Musiker wie z.B. Brian Wilson, David Hungate, Andrew Gold & Lee Sklar auch das Skywalker Symphony Orchester sowie der Oakland Interfaith Gospel Chor mit, und das bedeutete u.a. eine Ausstattung von 40 Streichern,
26 Tenor-u. 21 Sopranstimmen. Neu für ein Linda Ronstadt Pop/Rock Album war der Einsatz von Instrumenten wie Flöte, Oboe und Harfe, so etwas kannte man bis dahin eigentlich vor allem von Westcoast-Poet Dan Fogelberg und war eher untypisch für den Ronstadt Sound.
Hier entstand auch kein reines Ronstadt Solo-Album, denn zusammen mit Aaron Neville, dem Tenor des Himmels, sang Linda insgesamt 4 Duette ein, von denen Don´t Know Much & All My Life zu Welterfolgen und Multimillionensellern wurden.Don´t Know Much kam im Veröffentlichungsjahr bei den weltweit meistverkauften Singles sogar knapp auf Rang 2 hinter Another Day in Paradise von Phil Collins. Die Westcoast-Balladen All My Life und Goodbye my Friend wurden zudem in der TV-Serie Baywatch verwendet.
Diese großen Erfolge waren natürlich auch auf die hohe Qualität der Kompositionen zurückzuführen, und verantwortlich dafür waren Barry Mann/Cyntia Weil/Tom Snow & Karla Bonoff.
Mit der Veröffentlichung von Cry Like A Rainstorm/Howl Like The Wind bewies Linda Ronstadt an der Schwelle eines neuen Jahrzehnts sehr eindrucksvoll, das nur sie die Westcoast Queen ist.
Linda´s gesangliche Weiterentwickung war grandios, sie glitt mühelos ins Falsetto und zurück,
und Aaron Neville, der Gospelstar aus dem amerikanischen Süden, war der perfekte Duett-Partner für Linda.
Das grandiose Album wurde mit 3 Grammy Awards ausgezeichnet, einen davon erhielt George Massenburg in der Kategorie Beste Aufnahmetechnik.
Fast 30 Jahre nach ihrer Ankunft in Kalifornien zog Linda 1995 zurück in
Ihre Heimatstadt Tucson/Arizona. Nach abwechslungsreichen,
erfolgreichen und sicherlich auch anstrengenden Jahrzehnten in Los
Angeles und San Franzisco beabsichtigte Linda, sich
etwas mehr vom Tourstress zurückzuziehen, um ein "etwas" ruhigeres und
beschaulicheres Leben zu führen, doch es ging weiterhin ereignisreich zu in ihrer Karriere und in ihrem
Privatleben. Zur Freude ihrer Fans bedeutete ihre Rückkehr in ihre Heimat auch die Rückkehr zum CountryRock, wenngleich Feels Like Home noch im Jahre 1994 (Januar bis August) in den Jim Bradey Studios in Tucson/Arizona, den Conway Studios in Los Angeles und der Skywalker Ranch von George Lucas aufgenommen und abgemischt wurde.
Das von George Massenburg produzierte Album kam zwar nur auf #75 der amerikanischen Billboard Album Charts und konnte in puncto Verkaufszahlen nicht mit den früheren Alben konkurrieren, wenngleich es höher notiert wurde als ihr 1993er Album Winter Light,
war aber von der Qualität her wieder einmal allererste Sahne, aber das war ja auch kein Wunder in Anbetracht der Songauswahl,
der Produktionsstätten und der edlen Besetzungsliste, denn bei dieser Produktion war ja nicht nur Emmylou Harris zugegen, sondern auch die 17-fache Grammy Preisträgerin Alison Krauss,
die sich bei den Songs Walk On und Lovers Return an der Fiddle betätigte, dazu wie so oft die alten Westcoast-Haudegen Leland Sklar am Bass und Russ Kunkel an den Drums.
Für den perfekten Klangteppich sorgte einmal mehr das legendäre Skywalker Symphony Orchestra bei After The Goldrush (Neil Young) sowie beim Titelsong Feels Like Home,
einer schönen Randy Newman Komposition.
Ein Album-Highlight ist Linda´s Version des Tom Petty Klassikers The Waiting.
Eigentlich hätte zu dieser Zeit ja das zweite Trio-Album das Licht der Welt erblicken sollen, aber die schweren Streitigkeiten, die Linda Ronstadt und Emmylou Harris
mit Dolly Parton austrugen, führten damals dazu, das Trio 2 erstmal in der Schublade der Plattenfirma verschwand.
Alle damals bereits eingespielten Aufnahmen von After The Goldrush, High Sierra, The Blue Train, Lover's Return und High Sierra wurden damals für Linda´s Feels Like Home neu aufgenommen und die geniale Valerie Carter übernahm Dolly´s Gesangsparts.
Leider erkrankte Linda an einer seltenen und schweren Form einer Schilddrüsenerkrankung, die im Laufe der Zeit so schwerwiegend wurde, das sie später
sogar eine Konzerttournee canceln musste.
Diese Erkrankung hatte auch zur Folge, das sich Linda´s Äusseres veränderte, die einst gertenschlanke Linda wurde fülliger, was dämlicherweise auch primitive Journalisten sowohl in den USA, als auch wenige Jahre später hierzulande zu primitiven Artikeln veranlasste, Primitivjournalismus, der auch nicht Halt machte vor einem Hamburger Internetportal über Countrymusic, dessen Verantwortliche Linda Ronstadt (und auch lindaronstadt.de) im Interesse ihres Klientels gerne als minderwertig darstellen.
Doch wie schon der berühmte Philosoph Arthur Schopenhauer sagte: "In Deutschland ist die höchste Form der Anerkennung der Neid."
Privates Glück wurde Linda aber auch zuteil, denn Linda, die niemals eigene Kinder bekommen hat, adoptierte bereits vor ihrer Rückkehr nach Tucson einen Jungen und ein Mädchen, Mary Clementine and Carlos, die
sie übrigens sehr gut von der Presse abschirmte, womit wir auch schon beim Thema ihres 1996er Longplayers Dedicated To The One I Love angekommen sind, einem Album voller Popklassiker, die Linda äusserst brilliant in Form von Wiegenliedern, sogenannten Lullaby´s vertonte.
Vor allem Linda´s Kinderliederversionen von Songs wie beispielsweise Be My Baby, In My Room oder Devoted To You sowie dem absoluten Album-Highlight We Will Rock You müssen dann auch wohl ausschlaggebend für die Entscheidung der Grammy Academy gewesen sein, sowohl Linda Ronstadt für ihre herausragende Leistung als Sängerin und Produzentin als auch George Massenburg, der das Album mit Linda zusammen produzierte, mit dem weltweit höchsten Musikpreis in der Kategorie
Best Musical Album For Children auszuzeichnen. Äusserst bemerkenswert war auch die Reaktion des legendären Queen-Gitarristen Brian May, der den Rockklassiker We Will Rock You schrieb. May outete sich als großen Fan und Bewunderer von Linda Ronstadt und sagte: Linda`s Version von We Will Rock You ist wunderschön,
wie auch das ganze Album (Dedicated to the One I Love).
Als ich es zum erstenmal hörte, schrieb ich Linda in einem Brief,
wie genial ich sie finde.
Ich hatte immer einen großen Faible für Linda Ronstadt.
Im Gedenken an die viel zu früh verstorbene Sängerin Nicolette Larson und um auf ihre eigene Weise Abschied zu nehmen, trafen sich einige der ganz großen Westcoast/CountryRock-Legenden wie Linda Ronstadt, Emmylou Harris, Bonnie Raitt, Valerie Carter,
Carole King, Jackson Browne, Dan Fogelberg, James Taylor, Joe Walsh, Crosby, Stills, Nash, Bandmitglieder von Little Feat u.a. für ein ganz und gar besonderes Konzert.Diese historische musikalische Zusammenkunft ereignete sich am 20. Februar 1998 im kalifornischen Santa Monica Civic Auditorium.
Linda Ronstadt und Nicolette Larson waren seit vielen Jahren eng befreundet, Linda ist sogar Taufpatin von Nicolette´s Tochter Elsie.Zudem war Linda´s früherer Schlagzeuger Russ Kunkel mit Nicolette Larson verheiratet.
Auch all die anderen großen Künstler, die Nicolette mit diesem zweitägigen Konzert ehrten, hatten in ihrer Laufbahn entweder mit Nicolette Larson zu tun oder waren mit ihr befreundet,
und für die war es selbstverständlich, ihrer guten Freundin die letzte Ehre zu erweisen.
Alle Einnahmen dieser Veranstaltung kamen übrigens dem UCLA Childrens Hospital zugute.
In vielen Publikationen war zu lesen, das über diesem Konzert eine ganz besondere Atmosphäre lag, die einige Journalisten mit der Überschrift A Lotta Love in the Room beschrieben, in Anlehnung an Nicolette´s größten Hit Lotta Love.
Westcoastpoet Dan Fogelberg war auch sichtlich angetan und sagte: "Ich bin noch niemals in meinem Leben bei einem Klassentreffen gewesen, aber bei diesem Konzert hatte ich das Gefühl, ich wäre bei einem Klassentreffen."
Jackson Browne widmete Nicolette Larson den Song For a Dancer und Emmylou Harris dachte bei sich,
als sie Jackson Browne zuhörte, das dieser Song auch wunderbar zu Linda Ronstadt passen würde,
und so entschlossen sich Emmylou und Linda noch an diesem Abend, den Song zusammen neu aufzunehmen, ebenfalls als Widmung für Nicolette Larson.
Linda fasste die Gefühle vieler der Anwesenden in Worte, als sie in Erinnerungen an Nicolette schwelgte und sich an die Zeit erinnerte,
die sie früher zusammen mit Nicolette verbrachte, und alle waren tief beeindruckt, als Linda Ronstadt den Welthit Blue Bayou in ein Statement verwandelte,
wie sehr sie ihre Freundin Nicolette vermisst.Linda´s Auftritt nötigte den anwesenden Journalisten die Bemerkung ab, das hier eine der größten Stimmen der Rockgeschichte auf der Bühne stand.Stürmisch feierte das Publikum den Auftritt von Crosby, Stills, Nash & Dan Fogelberg und die wunderbare Bonnie Raitt beeindruckte einmal mehr mit ihrer aussergewöhnlichen Gitarrentechnik.
Dieses denkwürdige Konzert bot auch noch etwas einmaliges, etwas, das es vorher noch nie gegeben hat und das man getrost als ein historisch-musikalisches Ereignis bezeichnen kann, nämlich ein Duett von Carole King & Linda Ronstadt.Auch Emmylou Harris gab einen Song zum besten und sang mit Linda den Rodney Crowell Klassiker Even Cowgirls get the Blues. Linda Ronstadt sang ausserdem ihre Superhits
Poor Poor Pitiful me & Ooh Baby Baby und beendete ihren Auftritt mit der ergreifenden Westcoastballade Adios
Das im Herbst 1998 veröffentlichte, und ein wenig unausgewogene Solo-Album WE RAN wurde leider ein Flop, da Linda das Album wohl aus gesundheitlichen Gründen nicht promoten konnte.
Anders verhielt es sich da mit dem zweiten Trio Album, welches erst nach 5jähriger Verspätung auf den Markt kam.
Grund für die verspätete Veröffentlichung waren u.a. schwere Streitigkeiten, ausgelöst durch Dolly Parton, die sich öffentlich in sehr herablassender Weise über Linda und Emmylou äusserte.
Dolly Parton erwies sich zudem als sehr unzuverlässig und liess ihre Kolleginnen im Stich, weil sie u.a. die Termine platzen liess und sich wochenlang nicht meldete, um sich in den amerikanischen Medien dann plötzlich wieder zu Wort zu melden mit den besagten Attacken gegen Linda & Emmylou.
Mit ihrem Verhalten bestätigte Dolly Parton die schweren Bedenken von Linda´s damaligem Elektra-Plattenboss Bob Krasnow,
der Linda eindringlich daran erinnerte, in welch schlechtem Ruf Dolly wegen ihrer Unzuverlässigkeit steht.
Krasnow sträubte sich gegen eine Trio Fortsetzung und riet von einer weiteren Zusammenarbeit mit Dolly ab. Auch Emmylou Harris war skeptisch und gab Linda den Rat, sie solle sich von Dolly nicht breitschlagen lassen, wieder in eine Trio-Produktion einzusteigen.
Aber Linda liess sich doch von Dolly überreden und setzte sich schliesslich auch erfolgreich für sie ein. Linda Ronstadt äusserte sich im Interview mit dem Goldmine Magazine u.a. wie folgt: Dolly kann sehr charmant sein, und ich liebe diesen (Trio) Sound und so dachte ich, es wäre wundervoll, wenn wir drei das Album rausbringen könnten.
Umso größer war dann hinterher die Enttäuschung bei Linda und Emmylou und Linda erklärte:
"Ich kann nicht mehr mit Dolly arbeiten, denn sie hat sich sehr unzuverlässig gezeigt, Emmylou will auch nicht mehr mit ihr arbeiten.
Sie hat uns beleidigt, war sehr unfreundlich und herzlos zu mir als auch zu Emmy. Ich denke, Sie muss sich bei uns entschuldigen."
Alle mit Dolly bereits eingespielten Tracks wurden damals neu aufgenommen und die beliebte Westcoast-Sängerin Valerie Carter übernahm die Gesangsparts von Dolly Parton, diese Versionen wurden dann erstmals auf Linda Ronstadt´s 95er Album Feels like home veröffentlicht.
Wie die drei Sängerinnen 1999 wieder zusammen gefunden haben, um Trio 2 doch noch zum Leben zu erwecken, darüber kann man wohl nur spekulieren, aber aller Wahrscheinlichkeit nach wird Dolly um eine Entschuldigung nicht herumgekommen sein.
Weitere Trio Alben wird es jedoch definitiv nicht geben. Ich sprach mit Emmylou Harris im November 2000 nach ihrem Konzert in Neu-Isenburg anlässlich ihrer Red Dirt Girl Promotour.
Auf meine Frage, ob es denn ein drittes Trio-Album geben wird, sagte sie kurz und trocken "NO" ,
und dies in einem Tonfall, der keine Zweifel aufkommen lässt.
1998 begaben sich Top-Produzent Glyn Johns (Beatles, Rolling Stones, Eagles, Led Zeppelin),
Ex-Eagle Bernie Leadon, Musiklegende Neil Young u.v. a. nach Tucson/Arizona, um dort das lang geplante Duett Album von Linda Ronstadt und Emmylou Harris zu realisieren.
Western Wall / The Tucson Sessions wurde 6 Monate nach Trio 2, im August 1999 veröffentlicht und erreichte binnen weniger Tage #6 in den Billboard Country-Album Charts und #7 in den Top Internet-Sales.
Von der Fachpresse ernteten Linda und Emmylou teilweise noch bessere Kritiken als für das zweite Trio Album mit Dolly Parton.
Western Wall unterscheidet sich jedoch gewaltig von den Trio Alben, es klingt rauher und progressiver und ist mit mehr Folk -u. Rock-Elementen durchsetzt.
Emmylou Harris zeigte hier schon, was sie wenig später mit Red Dirt Girl fortsetzte,
nämlich ihren Hang zum instrumentalen Minimalismus, zum alternativen Folk-Rock und immer ein wenig zur Düsternis tendierend, dabei immer von erstaunlicher Kreativität und Musikalität.
Die Tucson Sessions sind offensichtlich auch durch die landschaftliche Umgebung geprägt.
Der Longplayer ist von einer solchen Authentizität, das man sich beim Hören solcher Stücke wie Loving The Highway Man oder Western Wall tatsächlich zurückversetzt fühlt in eine längst vergangene Epoche
der Gunfighter und Pioniere und man bekommt unweigerlich das Gefühl,
den Wüstensand zwischen seinen Zähnen zu spüren, während die Sonne Arizona´s erbarmungslos niederbrennt. Dieses hohe Niveau hat Western Wall nicht nur durch eine gnadenlos gute Besetzung im Studio, sondern auch dadurch, das Hochkaräter wie Bruce Springsteen, Jackson Browne,
Rosanne Cash, Patti Scialfa, Leonard Cohen, Sinead O´Connor sowie Kate and Anna McGarrigle als Songautoren verantwortlich zeichnen.
Weitere Western Wall-Highlights sind, neben den bereits erwähnten Songs, die von Linda im Lead Vocal dominierten Westcoast/Country-Rock Ohrwümer For A Dancer
und Across The Border, sowie die aussergewöhnliche Emmylou Harris Ballade 1917, die von den Gefallenen des ersten Weltkrieges in Frankreich erzählt und durch die sehr ausgefeilten Arrangements beeindruckt.
Western Wall/The Tucson Sessions ist ein weiteres Juwel des Country/FolkRock und zählt unzweifelhaft zu den besten Produktionen dieses Genres.
Die zwei bedeutendsten Sängerinnen des CountryRock haben durch ihr großes Können und ihre tiefe Liebe zur Musik ein Werk von zeitloser Schönheit geschaffen, völlig unabhängig von kommerziellen Interessen und irgendwelchen Trends.
Mit Dennis James produzierte Linda Ronstadt 2001 das Album
"CRISTAL", das mit der "Glass-Armonica" eingespielt wurde, einem
Glasintrument aus dem 18. Jahrhundert, wobei sie zwei Stücke in
klassischer Musik auf italienisch und französisch beisteuerte.
Ebenfalls in französischer Sprache hörte man Linda 2002 auf dem
Cajun Music Album Evangeline Made - A Tribute To Cajun Music. Danach
sang sie Duette mit Emmylou Harris, Aaron Neville und Bette Midler
und wirkte neben Johnny Cash, James Taylor und Emmylou Harris beim
Louvin´ Brothers Tribute Album Livin', Lovin', Losin': Songs of the
Louvin Brothers mit, darauf hört man sie im Duett mit Carl Jackson
beim Titel New Partner's Waltz.
Beachtlich ist der Erfolg ihres "very best of" Albums, das in den USA immerhin #19 erreichte und in
Australien sogar auf #5 landete, ganz ohne Promotiontour.
Seit Anfang 2004 ist Linda Ronstadt wieder ausserordentlich aktiv, gab in den USA viele Konzerte und mischte sich gehörig in den US-Wahlkampf ein und unterstützte zusammen mit Carole King, Don Henley & Michael Moore den demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry lange vor der Bruce Springsteen Kampagne "Rock the Vote."
Im Juli 2004 trat Linda in Las Vegas im Luxushotel Aladdin vor 4.500 Zuschauern auf.
Als Linda am Ende des Konzertes den Song "Desperado", ihre erste Zugabe, US-Filmemacher Michael Moore widmete, ihn einen "großen amerikanischen Patrioten" nannte und das Publikum aufforderte, sich Moores Film "Fahrenheit 9/11" anzuschauen, brachte sie einen Teil des Publikums in Rage, einige Zuschauer stürmten zum Ausgang, und rissen auf dem Weg zum Ausgang Konzertplakate ab oder warfen Cocktails durch die Luft.
Die Presse schrieb hinterher: Linda Ronstadts "Verhalten" wie auch das gesamte Dilemma wäre voraussehbar gewesen.
Vielleicht sollten die Pressagenturen ja künftig eine Wahrsagerin konsultieren.
Da ist also die Rede von Linda´s Verhalten, dabei war Linda´s Verhalten völlig tadellos,
wer sich nicht benehmen konnte, waren die Fans von George W. Bush und der Inhaber des Casino´s sowie einige seiner Mitarbeiter.
Schon direkt vor dem Konzert gab es Ärger, da Linda Ronstadt und ihre Managerin durch einen Mitarbeiter des Casinos schwer belästigt wurden, weil dieser ohne vorherige Absprache und Genehmigung durch Linda´s Managament versuchte, sich gewaltsam Zugang zu Linda´s privaten Bereichen zu verschaffen,
was zu schweren Auseinandersetzungen schon vor Linda´s Auftritt führte. Unter solchen Umständen ist es schwer vorstellbar, das Linda Ronstadt noch große Lust hatte, ihr Konzert zu absolvieren, aber sie tat es professionell, wie man es von ihr kennt. Um den nächsten Punkt der Pressemeldung aufzugreifen, Wieso wäre ein "Dilemma voraussehbar gewesen? Wurde es denn angekündigt?
Eine Woche vor ihrem spektakulären Auftritt gab Linda der Zeitung Las Vegas Review ein Interview, in dem sie bekundete, die Stadt zu hassen und seit einiger Zeit den Song "Desperado" auf ihren Konzerten Michael Moore zu widmen, aber das, was Linda in diesem Interview sagte, war ja längst kein Geheimnis mehr, und die Veranstalter, die Linda Ronstadt engagierten, wussten das schon vorher,
das alles musste deswegen doch noch zu keinem Dilemma werden.
Das Linda Ronstadt aus dem Hotel flog, wurde von ihr selbst nicht bestätigt. Aufgrund der hässlichen Auseinandersetzungen vor dem Konzert und der extremen Reaktionen einiger Zuschauer wurde sie aus Sicherheitsgründen aus dem Hotel eskortiert, um einerseits weitere Eskalationen zu vermeiden, und weil sie andererseits wegen der Zeitplanung gleich zum nächsten Konzert abfliegen wollte.
Doch gerade in dem Moment, als Linda in ihren Tourbus steigen wollte, stapfte wutschnaubend eine Angestellte des Aladdin Resort auf sie zu und sagte zu ihr in herrischem Tonfall: "Es tut mir leid, aber ich kann sie nicht gehenlassen, denn der Inhaber ist auf dem Weg, um mit Ihnen zu reden."
Die Westcoast-Queen jedoch liess sich darauf erst gar nicht ein und kommentierte das ganze in einem späteren Interview auf ironische Weise u.a. wie folgt: "Ich dachte, jetzt fängt sie an, mir die Miranda Rights vorzulesen," ("Sie haben das Recht zu schweigen..").
Seine Loaylität mit Linda zeigte daraufhin kein Geringerer als Irving Azoff, Manager der Eagles. Nach diesen Vorfällen zog er konsequent alle seine für das Aladdin gebuchten Acts zurück. Weiteren Zuspruch erhielt Linda Ronstadt von vielen bedeutenden internationalen Rockstars. So erzählte sie in dem hier schon zitierten Interview wörtlich:
"Ich erhielt Anrufe aus der ganzen Welt, Keith Richards, Sting..., Elton John schickte mir Blumen.
Die Liste von Leuten, die mir ihre Unterstützung zusicherten, ist endlos."
Hierzu sei noch erwähnt, das das Aladdin Casino bereits kurz vor dem Bankrott stand und der an diesem Abend noch amtierende Inhaber des Casinos, ein gewisser Bill Timmins mit dem Spruch, er habe Linda Ronstadt aus seinem Casino geschmissen, den wohl inszenierten Vorfall absichtlich hochspielte, um sein Geschäft in die Schlagzeilen zu bringen,
was ihm letztendlich ausser sehr viel Ärger nichts einbrachte.
Auf jeden Fall aber hat die Presse das Ereignis aufgebauscht und es entstand der Eindruck, das gesamte Publikum sei ausgerastet, was in Wirklichkeit überhaupt nicht der Fall war, zudem hat Linda laut eigenen Aussagen überhaupt nichts davon bemerkt, weil sich diese Vorfälle in den hinteren Ausgangsbereichen abgespielt haben, sie bekam eine Menge Applaus und der überwiegenden Anzahl der Gäste hat das Konzert sehr gefallen und sie sind bis zum Schluss geblieben.
Die Planet Hollywood Kette hat kurz danach das insolvente Casino übernommen und Robert Earl, Vorstand von Planet Hollywood International Inc., hat sich bei Linda Ronstadt für das unhöfliche Verhalten des damaligen Casino Managers Bill Timmins in aller Form entschuldigt und sie eingeladen, erneut im Aladdin aufzutreten
Robert Earl wörtlich: "Wir respektieren und unterstützen die Rechte von Künstlern, ihre Meinung frei zu äussern.
Wir bedauern die unglücklichen Umstände von Linda´s Auftritt sehr und stellen klar,
das Planet Hollywood niemals in seiner bislang 13jährigen Geschichte die Rechte von Künstlern auf freie Meinungsäusserung eingeschränkt hat und diese Politik werden wir auch als neue Inhaber des Aladdin Resort weiterführen."
Michael Moore nahm die Angelegenheit zum Anlass und schrieb einen Brief an den damaligen Inhaber des Casino´s, den er auch auf seiner Webseite Michaelmoore.com veröffentlichte.
In diesem Brief warf Moore dem Casinoinhaber unamerikanisches Verhalten vor und schlug ihm vor, Linda erneut einzuladen, dann würde er mit ihr zusammen im Duett live "America the Beautiful" vortragen.
Und obgleich das Aladdin sich längst unter neuer Führung befindet, ist es zu diesem ungewöhnlichen Duett bisher noch nicht gekommen.
Kurz nach den Ereignissen in Las Vegas stellte Don Henley einmal mehr seine Freundschaft und Verbundenheit zu seiner Kollegin und Freundin Linda Ronstadt unter Beweis und verteidigte Linda´s Eintreten für Michael Moore und ihr Eintreten für einen Politikwechsel in den USA. Als der Boss der weltberühmten Eagles den Randy Newman Song "Political Science" zum Besten geben wollte als Widmung für Linda Ronstadt, musste auch er erleben, wie ein Teil des Publikums ihn ausbuhte und den Konzertsaal verliess.
Viele amerikanische Rock-u. Westcoastlegenden zeigten sich dennoch unverdrossen und starteten mit der Rock-Ikone Bruce Springsteen eine musikalisch-politische Kampagne gegen die Politik von George W. Bush.
Trotz der massiven künstlerischen Unterstützung konnte der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry die Wahl nicht gewinnen und so blieb George W. Bush amerikanischer Präsident.
In einem Interview mit der Tageszeitung USA Today jedoch zeige Linda Mut und Rückgrat und scheute sich nicht,
weiterhin ihre Meinung öffentlich zu sagen.So sagte Linda Ronstadt nach der US-Wahl wörtlich:
"Die Menschen, die für George W. Bush abstimmten, haben gegen sich selbst gestimmt.
Wie damals in Deutschland, bevor Hitler an die Macht kam.
Die Wirtschaft war am Boden und die Menschen fühlten sich herumgeschubst und suchten nach einem Sündenbock.
Und wegen dem Irak-Krieg haben wir nun eine neue handvoll Hitlers"
Linda Ronstadt befand sich mit dieser Einschätzung in guter Gesellschaft, denn ihre Sangeskollegin, die große Joan Baez, die Michael Moore übrigens ein ganzes Album widmete, äusserte sich ähnlich wie Linda.Angesprochen auf George W. Bush sagte sie in einem Interview mit dem Stern:
"Ich verstehe zum ersten Mal in meinem Leben, warum die Deutschen Hitler nicht stoppen konnten."
Ebenfalls im Jahre 2004 unterschrieb Linda Ronstadt einen Vertrag über zwei Alben mit dem führenden amerikanischen Jazzlabel Verve Records.
Ron Goldstein, Präsident der Verve Musik-Group äusserte sich fast schon euphorisch, er sagte:
"Wir sind sehr erfreut, daß Linda sich dafür entschieden hat,
ihr Album Hummin` To Myself bei Verve Records zu veröffentlichen.Dieses Album wirft einmal mehr ein sehr helles Licht auf ihre außerordentliche Stimme
und ihre glänzenden Fähigkeiten als eine der großen Song-Interpretinnen..”
Als Produzent für Hummin´To Myself zeichneten Linda Ronstadt´s gute Freunde John Boylan und George Massenburg verantwortlich, die Linda ja schon seit Jahrzenten kennen, John Boylan produzierte Linda schon lange vor ihrem großen Durchbruch im Jahre 1974 mit Heart like a Wheel, und George Massenburg, der auch schon für die Produktion der Trio-Alben verantwortlich zeichnete, trat bei vielen Linda Ronstadt Alben als rechte Hand von Peter Asher in Erscheinung, für seine Arbeit an Cry Like A Rainstorm/Howl Like The Wind wurde Massenburg sogar mit einem Grammy Award in der Kategorie Best Technical Engineering ausgezeichnet,
also für die beste Arbeit am Mischpult in den Tonstudios
Linda war also bestens aufgehoben und hat sich in dieser Umgebung sicherlich sehr geborgen gefühlt, und das hört man auf Hummin´To Myself.
Linda hat ihren Hang zum Broadway-Material der 30er und 40er Jahre Jazz-Ära wieder einmal mit Herz und Seele ausgelebt,
wenngleich Hummin` To Myself aber nicht unbedingt zu vergleichen ist mit den Nelson Riddle-Alben, die ja mit einem erheblich größeren Ensemble aufgenommen wurden und viel orchestraler klangen.
Das Album ist mit relativ kleinen Ensembles aus vier bis acht Musikern eingespielt worden,
u.a. mit den in diesem Genre bekannten Musikern Alan Broadbent, Christian McBride,
Peter Erskine, Lewis Nash und Roy Hargrove.
Der Titelsong, geschrieben von Monty Siegel, gehörte zum Repertoire von Connee Boswell, einer der bedeutendsten Jazzsängerinnen der 30er.
"Blue Prelude" kennt man in der Version von Bing Crosby, und Duke Ellington schrieb "Day Dream". "Never Will I Marry" und "I've Never Been In Love Before" schrieb in den 30ern der Broadway-Komponist Frank Loesser. "I Fall In Love Too Easily" ist heute vielleicht in der Version von Chet Baker am bekanntesten. Mit "Tell Him I Said Hello" debütierte einst die junge Betty Carter.
Auch zu diesem feinen Longplayer hatte Linda ein Statement parat.Angesprochen auf die Tatsache, das sie lieber Songs interpretiert als zu schreiben, meinte sie:
"Seit den 70er Jahren gibt es diesen Anspruch, ein Singer/Songwriter sein zu müssen, aber das war nicht immer so"
Nehmen wir die 50er, Ella Fitzgerald. Hat sie jemals ein Journalist gefragt, warum sie nicht eigene Songs schreibt?"
An der großen Ella Fitzgerald hat Linda Ronstadt immer bewundert, daß sie in ihren Interpretationen an der Melodie bleibt, ohne daran zu kleben.
"Sie etablierte immer zunächst, was der Komponist wollte, bevor sie davon abhob, sie respektierte die Songs, und das ist schön, weil diese Songs einfach sehr, sehr gut geschrieben sind. Man muß nicht originell sein, es reicht, authentisch zu sein.
Authentisch ist Linda Ronstadt in ihrer gesamten einzigartigen Karriere geblieben, egal ob mit Folk, Countrymusic, Rock, Broadway, Jazz, New Wave oder mexikanischen Canciones. Sie konnte das alles, weil sie das Talent und den Stimmumfang dazu hatte und weil sie sich immer ausschließlich als Interpretin verstanden hat, und mit Hummin´to Myself interpretiert sie gekonnt den Jazz der 30er und 40er so, wie er eigentlich geschrieben wurde.
Hummin`To Myself war recht erfolgreich und blieb lange Zeit in den Billboard Jazzalbum-Charts in den Top 10 (Höchste Notierung #2).

Im Juli 2005 hat Linda ihre Heimat Tucson wieder verlassen und ist zurück an die Wesküste gezogen, aber nicht nach Los Angeles bzw. Malibu Beach, sondern nach San Franzisco, wo sie zuletzt vor ihrer Rückkehr nach Tucson/Arizona lebte.
Offiziell begründete sie den Umzug damit, dass sie nicht ständig mit dem Lärm der Davis-Monthan Air Force Base leben könne,
deren Einflugschneise direkt über ihrem Haus liegt.
Das Linda den Presseagenturen gegenüber dies als Begründung für den Ortswechsel angab, ist durchaus verständlich, denn so konnte die West Coast Queen, die ja auch leidliche Erfahrung mit Republikanern und sogenannten "Stalkern" gemacht hat, für sich und ihre Kinder weitere Schlagzeilen vermeiden,
die am Ende doch nur dazu geführt hätten, das ihre Privatsphäre weiter beeinträchtigt würde.
In politischer Hinsicht jedenfalls dürfte das liberale San Franzisco für Linda eine bessere Umgebung sein, wenngleich ihr nicht immer konfliktfreier Kampf gegen die Republikaner auch auf lokaler Ebene, also in ihrer Heimatstadt Tucson,
letztendlich erfolgreich verlief, was jedoch für ihren Cousin, den rechtskonservativen Republikaner Fred Ronstadt, mit dem sie nicht gerade viel gemeinsam hat, eine schmerzliche Wahlniederlage bedeutete.
Ratsmitglied Fred Ronstadt, sowie Tucson´s Stadträtin Kathleen Dunbar verloren ihre Stellung und wurden durch die Demokratinnen Nina Trasoff und Karin Uhlich ersetzt.
So hat Linda Ronstadt's politischer Kampf wenigstens in kommunalpolitischer Hinsicht etwas gebracht und letztendlich für einen größeren Einfluss der Demokraten in Tucson gesorgt,
ein erfreulicher Aspekt für Linda, trotz der Davis-Monthan Air Force Base, deren Einflugschneise direkt über ihrem Haus in Tucson verläuft.
Linda liess ihre Fans in der neunziger Jahren anlässlich ihrer Teilzeit-Rückkehr in das heimatliche Tucson wissen, das sie sich etwas mehr zurückziehen wolle aus dem Musikgeschäft.
In San Franzisco scheint sie ihre Meinung geändert zu haben,
denn entgegen Ihren Ankündigungen tourte sie 2005 & 2006 wieder kräftig durch die USA und Gerüchte um ein weiteres Duettalbum mit Aaron Neville machten die Runde.
Kein Gerücht ist, das Linda nach ihrem Umzug nach San Franzisco zusammen mit einer ihrer Singin Sisters, der Cajun-Ikone Ann Savoy in´s Studio gegangen ist, um still und heimlich im Duett das Album Adieu False Heart aufzunehmen.
Die Anstrengungen rund um die Albumveröffentlichung waren aber wohl etwas zuviel für Linda, die seit vielen Jahren an einer seltenen Schilddrüsenerkrankung laboriert, denn nur wenige Wochen nach dem Live-Auftritt des Folk - Duos Linda Ronstadt/ Anne Savoy in der amerikanischen Show Amazon Fishbowl mit US-Showmaster Bill Maher verkündete ihr Management
aufgrund einer notwendig gewordenen Operation die Annullierung aller Konzerte für das Jahr 2006.
Nach Linda´s eigenen Aussagen handelte es sich bei dem Eingriff um etwas, das nicht aufgeschoben werden konnte.
Auf ihren eigenen Wunsch hin gab es darüber keine weiteren öffentlichen Verlautbarungen.
Für die Behandlung und eine anschliessende Erholungsphase begab sich die Sängerin für eine Weile in´s heimatliche Tucson.
Inzwischen scheint Linda sich aber wieder ganz gut erholt zu haben, so ging sie im November 2006 mit ihrer Singing Sister Emmylou Harris nach deren Auftritt beim Hardly Strickley Bluegrass Konzert in San Franzisco zum Essen aus,
und am 6. Dezember gab sie für ein Musik-Special dem englischen Sender BBC ein ausführliches Interview, in dem sie einen quicklebendigen Eindruck machte.
Das auch ihre Stimme nach ihrer offensichtlichen Genesung wieder okay ist, bestätigte Linda den Fans bei einem Kurzauftritt im Stil der "Storytellers" am 19. Januar 2007 in ihrer Wahlheimat San Franzisco, wo sie 6 Songs zum Besten gab und eine ausführliche Konversation mit dem Publikum führte.
Die Zeit von Anfang 2008 bis 2009 wurde für Linda eine Zeit großer Ehrungen.
im September 2008 bekam sie den NCLR ALMA Trailblazer Award für ihre Verdienste um die Verbreitung der amerikanischen Musik überreicht.
Bei den Feierlichkeiten der NCLR ALMA AWARDS blieb dies beileibe nicht die einzige Auszeichnung für Linda Ronstadt.
Die größte Latino-Organisation in den USA, die NCLR (National Council of La Raza), die den ALMA Award ins Leben gerufen hat, um das Wirken Lateinamerikanischer Künstler aus Film, Show & Entertainment im amerikanischen Showgeschäft zu würdigen, bestätigte in ihrer wunderbaren Videodokumentation zudem, das Linda Ronstadt die größte Latino-Sängerin der Musikgeschichte ist
-She´s The Greatest Latino Recording Artist In Music History-.
Eine fast noch größere Würdigung als der Trailblazer Award war die bewegende Laudatio, die der große Opernsänger Placido Domingo auf Linda hielt, und für die man im Grunde keine Übersetzung benötigte.
Das Placido Domingo Linda als "Lovely" und "Beautiful" bezeichnete, bezog sich nicht nur auf ihre ruhmreiche Vergangenheit, denn auch an diesem Abend sah Linda wirklich bezaubernd aus.
Linda, die Queen of Rock, Queen of CountryRock, West Coast Queen, nun also auch die Latin Queen, und mit über 100 Millionen verkauften Alben und 10 Grammy Awards erfolgreicher als Gloria Estefan, Jennifer Lopez & Shakira.
Anfang 2009 ging es dann weiter mit Auszeichnungen und Würdigungen für ihr künstlerisches Lebenswerk.
Im Januar dieses Jahres wurde Linda in die amerikanische Hitparade Hall Of Fame aufgenommen.
Nur knapp zwei Wochen später veröffentlichten dann die Gesellschafter der Organisation Arizona Premiere Living die Top Ten
von Arizona´s bedeutendsten Musikkünstlern aller Zeiten mit Linda Ronstadt an der Spitze.
Die Arizona Premiere Living betonte dabei, das Linda Ronstadt Arizona´s ganzer Stolz ist
Die Westcoast Queen ruht sich auch 2010 nicht auf ihren Lorbeeren aus, weiterhin engagiert sie sich im politischen Kampf gegen
gegen extrem rechtskonservative Kräfte. So zuletzt in ihrem Heimatstaat Arizona, wo sie am 16. Januar an einem Protestmarsch gegen den für seinen
menschenverachtenden Umgang mit Strafgefangenen bekannten
Sheriff Joe Arpaio teilnahm.
Linda Ronstadt nannte Joe Arpaio einen sadistischen Mann, der seit seinem Amtsantritt eine Schreckensherrschaft im Maricopa County in Arizona ausübt.
Gegen Ende der Kundgebung gab es Zusammenstöße mit der Polizei, als eine kleine kleine Gruppe aus der Menge Wasserflaschen auf Beamte warf. Die Polizei setzte Tränengas ein. Fünf Personen wurden nach ihren Angaben festgenommen.
Vor zehn Monaten wurde Arpaio mitgeteilt, dass das Washingtoner Justizministerium gegen in wegen Diskriminierung und verfassungswidrige Durchsuchungen ermittelt. Seine Vollmacht zur Festnahme von illegal eingereisten Einwandern nach US-Bundesrecht wurde vor einem Vierteljahr von Washington aufgehoben.
Linda weiter:
"Arpaio hat keine großen Respekt vor dem Gesetz. Ich komme aus einer Polizei-Familie.
Mein Bruder war der Chef der Polizei in Tucson, ein wirklich gesetzestreuer Mann.
Er war derjenige, der mich verstehen liess, das eine ungleichmässige oder schlechte Anwendung der Gesetze das ganze Rechtssystem schwächt.
Und genau das trifft auf Polizeichef Arpaio zu."
Kaum eine andere Sängerin wird nach Linda Ronstadt noch gleichzeitig Grammy Awards in den Kategorien Rock, Pop, Country und Latin gewinnen.
Bis heute hat Linda Ronstadt weltweit über 100 Millionen Alben und aktuell über 130 Millionen Tonträger verkauft.
Lesen Sie dazu auch die neugestaltete Facts-Page in englischer Sprache.
Diese Seite ist unterlegt mit einem freien Midifile von Different Drum (Windows Media Player).
Zuletzt editiert wurde diese Seite am 28.01.2010, viel Spass beim Suchen !
|