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Sie ist die Perle des CountryRock. Mit ihrem im Jahre 2002 in Los
Angeles produzierten Debütalbum Bramble Rose hat sie diesem
Musikgenre einen weiteren Meilenstein hinzugefügt.
Auch wenn Tift Merritt mit diesem exzellenten Longplayer kein echter kommerzieller
Durchbruch beschieden war, hatte sie sozusagen eine 21.
Jahrhundert-Fortsetzung von Linda Ronstadt´s Heart Like A Wheel
geschaffen und sich damit unübersehbar in Szene gesetzt. Die
Anerkennung der Fachwelt hatte sie sicher, Bramble Rose wurde im
Time Magazine und in den New Yorker Fachmedien in die Top Ten
gelistet und ausserdem von der hochangesehenen Associated Press
genreübergreifend zum besten Debütalbum des Jahres gekürt.
Ihren quasi professionellen Einstieg in eine künstlerische Laufbahn
verzeichnete die überragend talentierte Tift Merritt mit einem
Engagement bei der Formation Two Dollar Pistols, die 1999 mit ihrer
dritten Independent-Produktion aufwartete und dafür die junge
Sängerin und Songautorin mit ins Boot nahm. Was dabei herauskam,
war eine EP von 7 Songs mit dem Titel "Two Dollar Pistols with Tift
Merritt." Auch wenn diese Alternative-Produktion erwartungsgemäß
keine großartigen Verkaufserfolge einbrachte, konnte sie dennoch
Tifts Karriere anschieben. Im Jahre 2000 wurde sie mit ihrer kleinen
aber feinen Band The Carbines als Opening Act für die Ryan Adams
Tournee engagiert, wo sie sich aufgrund ihrer Klasse und Spielfreude
im wahrsten Sinne des Wortes als Surprise-Act präsentierte. Ryan
Adams war so angetan von Tift, daß er sie seinem Manager Frank
Callari weiterempfahl, was letzendlich zu ihrem ersten
Schallplattenvertrag führte, denn Callari brachte sie unter bei Lost
Highway Records, dem Label, das neben Ryan Adams auch schon Lucinda
Williams unter Vertrag hatte.
Unter deutlich verbesserten Bedingungen konnte sich Tift an die Arbeiten zu ihrem Debütalbum
machen, und wieder einmal wurde Los Angeles zur Produktionsstätte
eines Meilensteins des CountryRock mit leicht progressiver
Westcoast-Orientierung. Der in diesen Genre-Kreisen nicht gerade
unbekannte Ethan Jones, der u.a. auch beim Linda Ronstadt/Emmylou
Harris Duett-Album "Western Wall/The Tucson Sessions" mitwirkte,
zeichnete als Produzent für Bramble Rose verantwortlich, Tift
Merritt schrieb und komponierte alle Songs selber und Tifts
erstklassige Band wurde u.a. verstärkt durch Benmont Tench von Tom
Petty´s Heartbreakers (der spielte ebenfalls auch schon mit Linda
Ronstadt). Bramble Rose Veröffentlicht: 4. Juni
2002 Label: Lost Highway Records Charts: #47 US Country Album
Charts Produziert in Los Angeles / Sound Factory Produzent:
Ethan Jones
"Ich gehe meinen Weg einer Musikkarriere, ob sie
mich nun im Radio spielen oder nicht."
(Zitat Tift Merritt) Das man nach einem überragenden
Debütalbum einem sehr hohen Erwartungsdruck ausgesetzt ist, damit
hatten sich schon die größten Bands, Künstlerinnen und Künstler der
Musikgeschichte auseinanderzusetzen. Tift Merritt musste
allerdings noch mit dem negativen Aspekt zurechtkommen, trotz eines
überragenden Erstlingswerks keinen kommerziellen Durchbruch erzielt
zu haben, weswegen sie also auch wirtschaftlich einigermaßen unter
Druck stand, aber sie steckte das weg, folgte weiter ihrem Ideal und
ging wieder ins Studio, wo sie sich an die Arbeiten zum
Nachfolge-Album von Bramble Rose machte. Im Jahre 2004 war es
dann soweit, die aus North Carolina stammende Sängerin, Songautorin
& Multi-Instrumentalistin veröffentlichte ihr zweites Album
'Tambourine' mit u.a. Mike Campbell von den Heartbreakers als
Gastmusiker.
Überraschenderweise erhielt sie dafür ihre erste Grammy Award-Nominierung, überraschenderweise deswegen, weil Tambourine trotz der hohen Qualität nicht wirklich an die Klasse von
Bramble Rose heranreichte, dieses Album hätte es wahrlich viel mehr
verdient gehabt, für die weltweit höchste Musikauszeichnung
nominiert zu werden. Prinzipiell war aber an der
Grammy-Nominierung für Tambourine nichts einzuwenden, eher schon an
der Kategorie Country Album des Jahres, denn eigentlich ist
Tambourine alles andere als ein Country-Album. Aber hier verhielt es
sich wie schon bei den Eagles oder Linda Ronstadt in früheren
Jahren. Da es keine eigene Grammy-Kategorie für das Genre
CountryRock gibt, werden Künstler aus diesem Genre zumeist in der
Kategorie Country vermerkt, sofern man deren Produktionen nicht
in die Hauptkategorien nominiert. Die drei Nominierungen für den
Americana Award (Album des Jahres, Künstlerin des Jahres & Song
des Jahres -Good Hearted Man") entsprachen zwar dann schon eher der
Stilrichtung, die Tift Merritt sowohl mit Bramble Rose als auch mit
Tambourine vorgab, wenngleich der Sound von Tifts zweitem Album doch
etwas farbiger und von mehr Stilarten beeinflusst daherkam als man
das vom reinen Americana-Stil her gewohnt ist.
Um ihren zweiten Longplayer zu promoten, gingen Tift Merritt und ihre Band mit Elvis
Costello auf Tour, wobei Tift Merritt das Vorprogramm von Costello
bestritt. Auf dieser Tour entstand ein Live-Mitschnitt, der als
Live-DVD "live from Austin, Texas" (Austin City Limits) allerdings
erst am 30 Oktober 2007 das Licht der Welt erblickte, im Gegensatz
zu ihrem heimatlichen Abschlusskonzert der Tambourine-Tour, welches
als limitierter, teils dokumentarischer Live-Mitschnitt betitelt mit
"Home is Loud" 2005 herauskam und der später beim Label Blue Rose in
einer Neufassung als kleines Box-Set mit 6-Seiten-Umfang inklusive
Bramble Rose als Bonus-Track wiederveröffentlicht wurde.
Nach Ausklang der Tambourine-Promotiontour zog sich Tift Merritt für eine
Weile zurück und machte sich auf den Weg nach Europa, genauer gesagt
nach Paris, wo sie in Ruhe ihrer Lieblingsbeschäftigung des
Songschreibens nachgehen konnte. Ergebnis dieser kreativen Auszeit
war 3einhalb Jahre nach Tambourine das in Fachkreisen langerwartete
Album Another Country, ihr erstes Studioalbum, welches nicht mehr
beim unabhängigen Jam-Rock Trendlabel Lost Highway Records erschien,
sondern bei Fantasy Records. Mit dem als Videotrack
ausgekoppelten Song "Broken" stellte Tift ihre Bereitschaft, sich
dem kommerziellen Markt mehr zu öffnen, unter Beweis. Solch einen
Song war man von Ihr gar nicht gewohnt, denn ein wenig erinnerte der
Sound von Broken an die Corrs, und der Song hätte es wahrlich
verdient gehabt, in den Spitzenpositionen kommerzieller Hitlisten zu
landen, doch wenngleich der Song mehrere Wochen in den Americana
Airplay Charts auf Rang 1 gelistet wurde, ließ der tatsächliche
kommerzielle Durchbruch unverständlicherweise weiter auf sich
warten, und ihr Debüt-Album Bramble Rose blieb bis dato ihr
künstlerisch bestes und zugleich kommerziell erfolgreichstes Album
mit einer #47 Notierung in den amerikanischen Charts.
Aber für Tift Merritt gilt dasselbe wie für Jackson Browne, sie definiert
sich nicht über Plattenverkäufe, das tun Singer/Songwriter in der
Regel sowieso nicht. Vor allem die amerikanische Fachpresse legt
bei Tift Merritt regelmäßig andere, sehr hohe Maßstäbe an und stellt
sie nach jeder Albumveröffentlichung in eine Reihe mit solchen
Größen wie Joni Mitchell, Sheryl Crow, Linda Ronstadt, Emmylou
Harris, Carly Simon & Carole King. Tift Merritt reagierte auf
diese Vergleiche niemals erschrocken oder unnatürlich bescheiden,
sie nahm sie zur Kenntnis ohne abzuheben. So reagiert nur eine
Künstlerin, die sich ihrer Qualitäten voll bewusst ist. Genau dieses
Selbstbewusstsein strahlt Tift Merritt auch bei Liveauftritten
aus, sie kommt immer authentisch rüber, verstellt sich nie und
kupfert nie ab, das hat sie auch nicht nötig, im Prinzip schreibt
sie ja alle ihre Songs selber und da hält sie es scheinbar wie
Jackson Browne oder J. D. Souther, nämlich eine Art von
Songwriting zu praktizieren die den Songs Tiefe und Inhalt
verleihen, Songs zu schreiben, die überdauern, also einen großen
Schritt wegzubleiben vom reinen Pop-Songwriting, wo es nicht auf die
Inhalte ankommt, sondern nur auf kommerziellen Erfolg.
Die Eagles haben es auf diese Weise geschafft genauso wie Jackson
Browne, James Taylor oder Carole King, sie alle sind früher oder
später steinreich geworden, haben multimillionen von Alben verkauft,
und Tift Merritt kann das auch schaffen, die Voraussetzungen dazu
bringt sie im Übermaß mit.
Ihr Talent zu schreiben hat ihr wohl der liebe Gott in die Wiege gelegt. Die heute 35jährige (geb. am 8.
Juni 1975) entwickelte schon in frühester Jugend ein Faible für das
Schreiben von Kurzgeschichten. Diese Leidenschaft führte sie später
zu einem Literaturstudium an der Universität von Chapel Hill/North
Carolina, wo ja auch James Taylor seine Spuren hinterlassen hat. Für
Ihre Kurzgeschichten wurde sie dann auch mit diversen
Autoren-Auszeichnungen geehrt. Ihr kreatives Potential als Autorin
in Kombination mit ihrem musikalischen Talent brachte ihr dann im
Jahre 2000 einen weiteren bedeutenden Newcomer-Preis ein, denn in
diesem Jahr gewann sie den Chris Austin Songwriting Contest im
Rahmen des North Carolina Akustik Musik Festivals (Merle Fest).
Wenn es eine Künstlerin gibt, die man als legitime künstlerische
Nachfolgerin von Institutionen nordamerikanischer Female
Music-History wie Karla Bonoff, Linda Ronstadt, Joni Mitchell, Carly
Simon und Emmylou Harris handeln kann, dann Tift Merritt. Sie trägt
die Fackel, die all diese großen Künstlerinnen in den späten 60er
und frühen 70er Jahren mit ihrer ganzen Seele, ihrer Leidenschaft
und dem Zauber ihrer Musik entzündet haben, weiter ins 21.
Jahrhundert. Am 1. Juni 2010 hat sie ihr neues Album
herausgebracht mit dem Titel See You On The Moon, was für ein
Titel, aber er passt in dieses Zeitalter, und Tift Merritt trifft
damit ein weiteres mal den Singer/Songwriter-Zeitgeist und sie sagt:
" Wir wollten ein elementares Album machen, mit
viel offenem Raum und echter Kraft. Die Songs sollten weniger
ausgefeilt sein und dafür mehr Tiefe haben." Es
war müßig, das zu erwähnen. Diese Machart ist schließlich das
Markenzeichen einer Tift Merritt Produktion. See You On The Moon
zeugt einmal mehr von Tifts künstlerischem Potential, von ihrer
Kreativität und Wandlungsfähigkeit. Sehr bemerkenswert auch, ihr
neues Album unterscheidet sich zwar relativ deutlich von den
Vorgängeralben, verbreitet mehr Alternative-Atmosphäre, aber beim
vergleichenden Hören kommt man dennoch unweigerlich zu dem Schluß,
das ist ein typisches Tift Merritt Album, eine Schlußfolgerung, die
jedoch mehr ist als nur ein Merkmal am Rande, denn dieses Merkmal
beschreibt im Grunde einen der wichtigsten künstlerischen Aspekte
überhaupt, nämlich den (hohen) Wiedererkennungswert. Fazit: Tift
Merritt ist sich treu geblieben und in Ihrer Entwicklung dennoch
nicht stehengeblieben. See You On The Moon ist trotz des
Alternative-Feelings im kleinen Rahmen auch eine weitere Hommage an
die große Ära des CountryRock, so fand sich zu den Aufnahmen, die
diesmal in New York stattfanden, der in diesem Genre als Koryphäe
geltende Gitarrist und Pedal Steeler Greg Leisz ein, der schon im
Jahre 1999 zusammen mit Ethan Jones einen erheblichen Beitrag zum
Gelingen des hier schon erwähnten Ronstadt-Harris Duett Albums,
Western Wall / The Tucson Sessions, leistete. Familiär wie fast
schon in Westcoast-Zeiten selig ging es bei dieser Produktion
einher. Tift zeigt sich einmal mehr in hervorragender Verfassung als
Sängerin, Songautorin und Multi-Instrumentalistin, während ihre
gesamte Backing Band The Carbines mit Ehemann Zeke Hutchins am
Schlagzeug eine grundsolide und professionelle Arbeit abliefert, die
den Vergleich mit vielen großen und bekannteren Bands nicht zu
scheuen braucht. Ob Tift Merritt der kommerzielle und damit
wirtschaftliche Durchbruch gelingt oder nicht, einiges steht jedoch
fest. Sie hat mit Bramble Rose einem der erfolgreichsten Musikstile
der Rockgeschichte einen künstlerischen Meilenstein und ein weiteres
Standardwerk hinzugefügt, sie zählt inzwischen zu den
herausragendsten Songautorinnen im Spektrum von CountryRock über
Americana bis hin zu Alternative-Rock & progressivem Folk-Rock
und gehört nebenbei noch zu den ganz wenigen ausgezeichneten
Multi-Instrumentalistinnen der Rockhistory. Und was ganz wichtig
ist, bisher kann sie zurückblicken und von sich sagen, daß sie sich
nie hat verbiegen lassen. Diese Künstlerin hat Charakter und Klasse.
Sie muss und wird uns erhalten bleiben.
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